"Saturday Morning Lecture" von Domenico Giulini an der Universität Hannover

"Wenn der es nicht erklären kann, dann kann es keiner", wird der Professor angekündigt. Domenico Giulini war in Cambridge, er hat mit Stephen Hawking zusammengearbeitet. Jetzt wird er Albert Einsteins Theorie von 1905 vorstellen. Die Vorlesung Einstein relativ einfach – die spezielle Relativitätstheorie verstehen gehört zur Reihe Physik für Aufgeweckte und richtet sich an alle, die es am Samstagmorgen in die Uni schaffen. Es stellt sich heraus: Das sind viele. Der große Physiksaal mit seinen 560 Plätzen ist voll. "Das ist ja eine rockkonzertähnliche Veranstaltung", sagt Giulini und sorgt für Lacher.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 4 vom 21.1.2016.

Das Publikum ist so gut gemischt, als hätte man es direkt aus der Fußgängerzone rekrutiert. Hippe Zwanzigjährige mit Ringelpulli, Rentner mit Strickjacke, Mütter mit halbwüchsigen Söhnen. Konzentriertes Schweigen. Giulini redet über Galilei und das Fizeau-Experiment, entschuldigt sich, wenn es kompliziert wird. Wenn meine Uhr auf Viertel vor zwölf steht, ist es dann auf dem Jupiter auch Viertel vor zwölf? Einstein sagt Nein. Es gibt nicht "die Zeit". Ein Mensch, der in einem sehr schnellen Raumschiff drei Jahre unterwegs ist, würde bei seiner Rückkehr feststellen, dass auf der Erde sehr viel mehr Jahre vergangen sind. Dann erscheint Einsteins Formel an der Wand. "Das ist wirklich relativ einfach", sagt Giulini, und das Publikum lacht. "Doch! Das ist lineare Algebra! Keine höhere Mathematik." Am Ende die Frage: "Wer hat es verstanden?" Keiner meldet sich. "Wenigstens 30 Prozent?" Etwa sieben Hände gehen hoch. Einfach ist wirklich relativ.

In unserer Kolumne "Hörsaal", die zeitgleich in der gedruckten Ausgabe der ZEIT erscheint, schildern Autorinnen und Autoren der ZEIT Woche für Woche ihre Eindrücke von Vorlesungen an Hochschulen in Deutschland und im Ausland. Wir sind gespannt auf Ihre Diskussionen.