Es ist eins dieser beliebten Film- und Fernsehklischees: Der Kommissar trifft am Tatort ein, die Leiche liegt dort mit weit aufgerissenen Augen, und mit einer leichten, fast flüchtigen Handbewegung fährt der Ermittler dem Toten über die Augen, die daraufhin geschlossen bleiben.

Das ist dramaturgisch effektvoll, zeigt es doch die pietätvolle, mitfühlende Seite des Kommissars. Vor allem aber erleichtert es dem Schauspieler, der die Leiche spielt, seinen Job. Der müsste nämlich sonst die ganze Szene lang die Augen offen halten, ohne zu blinzeln.

Im wirklichen Leben – beziehungsweise im Tod – ist die Sache nicht so einfach. Zwei Drittel aller Menschen, das hat ein amerikanischer Hospizarzt einmal akribisch ausgezählt und in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, sterben mit geschlossenen Augen. Beim restlichen Drittel schließt man die Augen nach dem Tod – weil es einfach würdevoller aussieht. Allerdings ist das nicht so leicht wie im Fernsehen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 4 vom 21.1.2016.

In der ersten Stunde nach dem Tod hat man noch gute Chancen, dass sich die Lider über die Augen ziehen lassen und in dieser Position bleiben. Spätestens nach dem Eintreten der Leichenstarre jedoch geht das nicht mehr. Dann muss man zu mechanischen Mitteln greifen. Bestatter benutzen sogenannte Augenkappen. Die darf man sich wie Kontaktlinsen vorstellen, allerdings mit Noppen an der Oberseite, die das darübergezogene Augenlid festhalten und am Zurückrutschen hindern. Gleichzeitig wird verhindert, dass die Lider einfallen.

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