Angela Merkel rennt die Zeit davon. Sie möchte möglichst bald eine europaweite Quote für die Verteilung von Flüchtlingen durchsetzen, damit diese danach von den immer kritischer werdenden EU-Mitgliedsstaaten nicht mehr geändert werden kann. Unzufriedener werden auch die Wähler; sie stimmen 2017 in Deutschland und Frankreich ab, vielleicht auch in Österreich. Und im März dieses Jahres finden drei deutsche Landtagswahlen statt.

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Aus Budapester Sicht gibt es zur Flüchtlingsquote nur gute Alternativen: Schutz der Schengen-Grenzen, mehr Hilfe der EU für die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten Syriens, mehr legale Einwanderungsmöglichkeiten für Arbeitssuchende – oder sonst eben die "vertiefte Zusammenarbeit" der "willigen" EU-Staaten. Und Ungarn hat Zeit, während die Luft um die Kanzlerin und ihre Politik zusehends dünner wird. Die Visegrad-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) bilden den Kern einer entschlossenen, die Merkelsche Politik blockierenden Minderheit. Sie haben mit dem Grenzzaun und der Transitzone eine funktionierende politische Alternative, die ansteckend wirkt. Zudem wollen Budapest und Warschau dem Bevölkerungsschwund nicht durch Fremde, sondern durch großzügige Familienförderung für Einheimische begegnen und dadurch auch noch die Binnennachfrage ankurbeln.