U-Bahn in Hamburg © dpa

Geht Ihnen das nicht auch so? Sie sind ein rechts- und pflichtbewusster Bürger, eine wahre Stütze der Gesellschaft: Mit dem Auto fahren Sie nur so schnell wie erlaubt, gut, höchstens etwas schneller, aber lange nicht so schnell wie die anderen. Für die U-Bahn lösen Sie immer ein Ticket, auch wenn andere hohnlachend ohne fahren.

Umso mehr schockiert es Sie, wenn Sie das Radio einschalten – und dort warnt man nicht nur vor Blitzern, die Autoraser überführen sollen, ja, man fordert sogar dazu auf, weitere Blitzer zu melden. Und das nicht auf einem Piratensender, nein, im Öffentlich-Rechtlichen: auf NDR 90,3!

Wenn es also schon so weit ist bei uns: Warum warnt der Hörfunk nicht gleich noch vor HVV-Kontrollen – "Achtung liebe Schwarzfahrer! Gerade stehen die Kontrolleure am Bahnhof Schlump und töften in der U4 Richtung Niendorf Nord, aber nicht in Richtung Mümmelmannsberg, ällabätsch ..."?

Das hat seine Gründe. Aber zuerst gilt es, mit einem großen Irrtum aufzuräumen: Das Bekanntgeben von Blitzern ist nicht Kollaboration mit Rechtsbrechern, sondern Prävention. Überhöhte Geschwindigkeit ist eine der häufigsten Unfallursachen, Raser gefährden nicht nur sich, sondern vor allem andere. Deshalb hat die Polizei nicht viel dagegen, dass der Rundfunk den Standort von Blitzgeräten verrät und nahelegt, es könnten noch mehr im Einsatz sein. "Die Bekanntgabe der Blitzer soll zum Langsamfahren animieren", sagt Sabine Rossbach, Direktorin des NDR Landesfunkhauses Hamburg, "und nicht, wie eine Veröffentlichung von HVV-Kontrollen, zum Schwarzfahren."

Wer ohne Ticket fährt, bringt nicht andere in Lebensgefahr, sondern will nur betrügen. So jemanden zu warnen wäre ein bisschen so, als würde man Einbrechern den Standort des nächsten Streifenwagens durchgeben. "Das könnte zahlenden Fahrgästen sauer aufstoßen", sagt HVV-Sprecher Rainer Vohl.

Auch wenn man Schwarzfahrern den Gefallen täte, es würde ihnen wenig helfen: "Die Fahrkartenprüfer wechseln häufig den Standort, wären also oft schon weg, wenn die Warnung durch den Äther käme", sagt Vohl. Und selbst wenn nicht: die Ohne-Ticket-Fahrer erwischt es trotzdem. Beim HVV-Prüfmarathon im Juni, einer ganztägigen Großkontrolle, die in den Medien angekündigt wurde, Ortsangaben inklusive, hatten 2,2 Prozent der Kontrollierten keine gültige Fahrkarte dabei – der Prozentsatz bei unangemeldeten Kontrollen ist kaum höher.

Was das heißt? Entweder Schwarzfahrer brauchen es ab und zu, das Erwischtwerden, die große Bühne, die Blicke der anderen. Oder Schwarzfahrer konsumieren wenig Medien. Also wäre eine Warnung im Radio ohnehin sinnlos.