Ein Geschäftsreiseflugzeug von Lufthansa Technik: Die luxuriöse Innenkabine des VIP-Airbus A318 © dpa

Heute ist "fit check" für eine Boeing 737: Die Techniker setzen probeweise die Möbel und Geräte ein, um zu kontrollieren, ob alles passt. Ein Elektriker steht im Innenraum des Fliegers, wo später die reichen Käufer sitzen werden, und zieht feine Kabel unter die Deckenverkleidung. Die connectivity, wie es in der Sprache der Lufthansa-Techniker heißt, ist hier besonders wichtig: Wer Dutzende Millionen zahlt, um eine Passagiermaschine von Boeing oder Airbus zu einem luxuriösen Wundergefährt umbauen zu lassen, für den ist pfeilschnelles Internet das Mindeste.

Wenn das Flugzeug schließlich an den Käufer geliefert wird, stecken gut 60.000 Arbeitsstunden darin. Fast zwei Jahre lang haben die Ingenieure, Techniker, Designer und Möbelbauer daran gearbeitet, bis alles passt. VIP Completion heißt der Geschäftsbereich von Lufthansa Technik, gelegen im westlichen Teil des Hamburger Flughafens. Die Kunden sind Regierungschefs und Superreiche. Der erste Auftrag kam von Adenauer, Ende der fünfziger Jahre baute das Unternehmen eine 707 zur Regierungsmaschine um. Auch die A340-13, die Kanzlerinnen-Maschinen, mit der Angela Merkel ins Ausland fliegt, kommt aus den Werkstätten von Lufthansa Technik aus Hamburg. Der Masterplan für den Umbau umfasste mehr als 800 Seiten.

Vertraulichkeit ist wichtig in diesem Geschäft. Das erklärt der Pressesprecher noch vor dem Rundgang. Lufthansa nennt weder Herkunftsländer noch Funktion der Auftraggeber von Regierungsmaschinen – Head of State heißen sie im Firmenjargon. Auch die Privatkunden möchten nicht ins Licht der Öffentlichkeit. "Was wir bauen, ist deren Wohnzimmer, deren Zuhause – ihre Privatsphäre, wenn sie unterwegs sind", sagt Projektleiter Andreas Britz, der für den Umbau der 737 verantwortlich ist, die hier im Hangar steht. Zumindest ist nicht schwer zu erraten, in welche Weltregion das Flugzeug geht. Das Umbauprojekt läuft unter dem Codenamen Thai II, hinter den weiß überklebten Stellen auf dem Bug lugen thailändische Schriftzeichen hervor. Dahinter ist ein Airbus zu sehen, auf dem United Arab Emirates steht.

Britz kennt sich am besten mit der 747 SP aus, die Boeing Mitte der siebziger Jahre entwickelte. Sie ist das VIP-Flugzeug Nummer eins, der Star der Superpromi-Flieger. SP steht für Special Performance um Langstrecken fliegen zu können, bekam das Modell einen kürzeren Rumpf, eine größere Tankkapazität und stärkere Turbinen als die, auch als Jumbo bekannte, normale 747. So wurde sie eine der ersten Passagiermaschinen, die ohne Zwischenstopp über den Atlantik fliegen konnte. Als ein paar Jahre später neue Triebwerke erfunden wurden und auch längere Maschinen weite Strecken schafften, war die 747 SP als normale Passagiermaschine nicht mehr gefragt. Doch einige wurden zu VIP-Fliegern umgebaut – ungefähr 16, schätzt Britz. "Die Maschine ist einfach prädestiniert dafür", sagt der Ingenieur. "Die ist das muscle car unter den Passagierflugzeugen."

Britz erzählt von einem 60-Zoll-Fernseher, den er einmal für einen arabischen Kunden im Schrank verschwinden lassen sollte. Der Kunde hatte das Flugzeug von seinem Onkel geerbt, der einen Teil der Maschine zur fliegenden Diskothek hatte umbauen lassen. Dem Neffen gefiel das nicht, er ließ die Tanzfläche rausreißen und bestellte stattdessen einen Aufenthaltsraum mit Monster-TV – damals noch mit einem Plasmabildschirm, der für Flugzeuge eigentlich zu schwer ist.

Kaum ein Gerät, das Britz und seine Kollegen in die Edelflieger einbauen, gibt es von der Stange zu kaufen. Auch den Riesenfernseher ließen sie von einer Spezialfirma sonderanfertigen, damit er nicht zu schwer wird. Da die Sicherheitsbestimmungen an alles, was in Flugzeugen verbaut wird, enorme Anforderungen stellen, wurde der Bildschirm – der eine sechsstellige Summe kostete – gleich zweimal gebaut. Im Testlabor musste er unter Beweis stellen, was er aushält.

Im Labor steht ein Rütteltisch, der mit 60.000 Watt Power alles durchrüttelt, was in die VIP-Flieger kommen soll. Hier gibt es auch eine Kammer, die die Geräte extremer Kälte und Hitze aussetzt – hausintern heißt das Labor "Folterkammer". Der Fernseher des Scheichs musste unter anderem den sogenannten Balltest bestehen: eine Stahlkugel, die auf den Bildschirm fällt. Splittern ist nicht erlaubt, feine Risse gehen in Ordnung.

Bis zu 250 Millionen Euro verbauen die Lufthansa-Techniker in einer VIP-Maschine, natürlich warten sie die Flieger auch. Im Bereich von Ausstattung und Wartung sei man "Weltspitze" sagt Walter Heerdt, Bereichsleiter und oberster Chef der VIP-Umbauabteilung. "Unsere Stärken liegen darin, innovative Lösungen zu bieten, und das in Verbindung mit sehr geräuscharmen und wartungsfreundlichen Ausstattungen."

In den letzten Jahren wurden 25 Flieger an chinesische Superreiche geliefert

Heerdt kommt gerade von der Monaco Yacht Show – hingefahren ist er, um die aktuelle Entwicklung auf dem Markt zu verfolgen und Kunden zu treffen, oder besser gesagt: deren Repräsentanten. Elf Jahre lang war er Vertriebschef der Lufthansa Technik, sieben Jahre hat er in China gelebt – ein Auslandseinsatz, der sich heute bezahlt macht. Denn die Superreichen kommen zunehmend von dort, in den vergangenen Jahren hat die VIP-Werkstatt 25 Maschinen nach China geliefert. "Unser Kundenspektrum ist sehr groß. Es ist nicht immer – wie oft erwartet – der reiche Scheich", sagt Heerdt.