Es war im Spätsommer 2014. Michael Rubens Bloomberg war nach zwölf Jahren im Amt nicht mehr Bürgermeister von New York, und noch hatte er den Albtraum der Manager seines Nachrichtenkonzerns nicht wahr gemacht und sich selbst wieder an die Spitze des Unternehmens gesetzt. Bloomberg flog mit einem Privatflugzeug zum Golfen nach Neuengland. Es war der Vortag eines großen Turniers in der Nähe von Boston, und der damals 72-jährige Mann spielte mit anderen Firmenführern und dem Masters-Sieger von 2014, dem amerikanischen Profi Bubba Watson.

Bloomberg ist ein guter Golfspieler, doch er war spät angekommen und spielte zunächst unter seinen Möglichkeiten. Irgendwann gesellten sich Zuschauer am Rand der Bahnen zu dem prominenten "Flight", wie Golfer eine Spielgruppe nennen. Erst eine Handvoll, dann immer mehr. Wenn die Spieler vorbeiliefen, jubelten die Zuschauer zweien von ihnen zu. "Bubba", skandierten die einen, aber genauso viele riefen mit hörbarer Ehrfurcht: "Mayor Bloomberg!"

Andere Golfamateure wären nervös geworden – und tatsächlich brach bei einigen Spitzenmanagern das Spiel unter der Beobachtung zusammen. Nicht bei Bloomberg. Er wurde immer besser. Schließlich, am schwierigen 17. Loch, standen Hunderte aufgeregte Fans rund um den Abschlag. Watson drosch den Ball in Richtung Grün – Applaus. Ein Manager bekam den Ball kaum in die Luft. Und Bloomberg? Spielte seinen Ball in hohem Bogen in die Mitte der Spielbahn und beendete das Loch locker und lächelnd mit einem Par. Profiniveau.

So war es immer bei Bloomberg. Er liebt den Wettbewerb und den "Kick des Unbekannten", wie er sagt. Unter Druck wird der vierzehntreichste Mann der Welt (2015 noch lag er vor den Gründern von Amazon, Facebook und Google) nur besser. Allerdings sucht er sich seine Kämpfe auch genau aus. 2008 und 2012 prüfte er eingehend, ob er fürs Weiße Haus kandidieren sollte. Doch alle Analysen sagten dasselbe: Trotz nahezu unbeschränkter Geldmittel könne er als Gegenkandidat zu den etablierten Demokraten und Republikanern nicht gewinnen, sondern würde abgeschlagen enden wie in den neunziger Jahren der texanische IT-Pionier Ross Perot.

Er glaube nicht, dass ein "geschiedener, kleiner, jüdischer Milliardär" eine Chance habe, resümierte Bloomberg damals die Datenlage. Doch jetzt, so sagt es die New York Times unwidersprochen, prüfe Bloomberg erneut seine Möglichkeiten. Er sei bereit, eine seiner 36 Milliarden in den Wahlkampf zu investieren. Seine Getreuen ließen außerdem durchsickern, er sei besorgt über den Aufstieg des selbsterklärten Sozialisten Bernie Sanders auf der linken und angewidert vom Erfolg Donald Trumps auf der rechten Seite.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 5 vom 28.1.2016.

Anders als der Millionenerbe Trump hat Bloomberg klein angefangen. Er stammt aus der Nähe von Boston, sein Vater William war Buchhalter und arbeitete in der Erinnerung seines Sohnes "sieben Tage die Woche, bis zu dem Tag, als er ins Krankenhaus ging, um zu sterben". Den Fleiß hat Sohn Michael geerbt: "Ich bin vielleicht nicht der hellste Kopf, aber ich kann härter arbeiten als alle anderen", behauptete er einmal. Bloomberg kämpfte sich in die weltberühmte Harvard Business School. Nach dem Abschluss kam er 1966 als mittelloser Berufsanfänger nach New York – und erhielt seine Chance bei der Investmentbank Salomon Brothers. Die Händler des Brokerhauses, das später in einem Betrugsskandal unterging, gelten bis heute als die smartesten und härtesten überhaupt. Bloomberg schaffte es in wenigen Jahren zum Partner, dann zog er 1981 in einem internen Machtkampf den Kürzeren – und wusste sehr schnell, dass er nicht gewinnen konnte.

Es waren vor allem Hedgefonds-Manager und Banker, die ihn beknieten zu kandidieren

"Hier sind zehn Millionen Dollar, du bist Geschichte": Mit diesen Worten entwarf er den Text für die Kündigung, die ihm sein Arbeitgeber überreichen sollte. Am letzten Arbeitstag bei Salomon kaufte er seiner damaligen Frau einen Zobel und führte sie zum Dinner aus. Am nächsten Tag startete er mit der Abfindung sein eigenes Unternehmen. Weil er erkannt hatte, wie wichtig gut aufbereitete und aktuelle Daten für die Wall Street sind, schuf er einen Finanzinformationsdienst, der später auch zu einer ebenso aggressiven wie erfolgreichen Nachrichtenagentur expandierte. Wer den Dienst beziehen will, braucht ein spezielles Computerterminal, den "Bloomberg", von dem nach Firmenangaben heute weltweit über 325.000 aktiv sind.