Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung in Iowa © Scott Morgan/Reuters

Im Repertoire-Drama "Wir wählen den Präsidenten" wird am Montag auf rund 1700 Bühnen der Vorhang gelüpft. Dann versammeln sich die Bürger des US-Bundesstaates Iowa zur ersten Urwahl 2016. Der caucus tagt in Kirchen, Schulen und Wohnzimmern, um den Kandidaten fürs Weiße Haus zu küren. Viel schlauer werden wir aber nicht sein. Denn Iowa und New Hampshire (acht Tage später) machen nicht einmal 1,4 Prozent der US-Bevölkerung aus. Erst am Super Tuesday, wenn 13 Staaten – darunter der Koloss Texas – abstimmen, wird der Parteiwillen Konturen zeigen.

Nur eines darf man heute schon prophezeien, ohne Gewähr: Donald Trump, der front runner der Republikaner, dem die Umfragen jeden Blödsinn verziehen haben, wird nicht der 45. Präsident sein. In den Vorwahlrunden bleibt dieser Muhammad Ali der Politik ("schweben wie ein Schmetterling, zustechen wie eine Biene") unverwundbar. Im Hauptkampf am 8. November aber würde er gegen Hillary Clinton nach heutigem Stand mit zehn Prozentpunkten Rückstand unterliegen. Gegen den Linksaußen der Demokraten, Bernie Sanders, würde er gar mit 15 Punkten abschmieren.

Welcher Republikaner hätte denn eine Chance gegen Mrs. C.? Unter den Schwergewichtlern im Vorwahlkampf sind es der Texas-Senator Ted Cruz (rechts, aber wohlerzogen) und sein Florida-Kollege Marco Rubio (mittig). Von weit hinten aufholend, schiebt sich Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey (Mitte-rechts), nach vorn.

Solche Messungen beruhen notabene auf Umfragen, die so zuverlässig sind wie der Fahrplan der Deutschen Bahn. Die Masse der amerikanischen Wähler entscheidet sich erst in den letzten drei Tagen – und die meisten von ihnen wiederum auf dem Weg zur Urne. Doch weiß die längerfristige Wahlforschung Genaueres zu berichten. Der Stanford-Politikprofessor David Brady macht die Rechnung auf: Es gibt einfach mehr Republikaner als Demokraten. Egal, ob die Getreuen zu hundert Prozent für den Gesalbten stimmen, es reicht nicht. Wer gewinnen will, muss weit in die Mitte ausgreifen, um die selbst deklarierten "Gemäßigten" (41 Prozent des Wahlvolks vor vier Jahren) und "Wechselwähler" (29 Prozent) einzufangen.

Sodann: Entscheidend sind nicht die "Likes", die ein Kandidat einheimst, sondern die gesenkten Daumen. Der Wähler kürt nicht X, sondern verwirft Y. Und da fährt der Vorwahl-Triumphator Trump gar nicht gut. Etwa die Hälfte der Gemäßigten und Wechselwähler hat eine "sehr schlechte Meinung" von ihm. 58 Prozent würden "nie" für Trump stimmen. Nur ein wenig schlechter ergeht es Ted Cruz, dem Darling der Rechtgläubigen.

Besser geht’s Marco Rubio, dem Mann des Establishments. Fast zwei Fünftel der Wechselwähler würden ihm die Stimme geben; "nie und nimmer", bekundet nur ein Drittel. Bradys dürres Fazit: "Die Leute, die für einen Kandidaten stimmen wollen, wiegen weniger als jene, die ihn nicht wollen." Abneigung schlägt Zuneigung. Das sollten die Republikaner mit Blick auf Iowa und New Hampshire bedenken, wenn sie sich wirklich einen der Ihren als Präsident wünschen. So bestätigt die Wahlforschung eine Binse: Ob in Amerika oder Deutschland, Wahlen werden in der Mitte gewonnen. Die Frage ist nur, ob Trump den loyalen Verlierer gibt oder eine dritte Partei aufmacht. Dann ist Clinton die erste Frau im Weißen Haus.