DIE ZEIT: Man hat das Gefühl, das gefährliche Zika-Virus sei auf einmal aus dem Nichts aufgetaucht. Ist der Eindruck richtig?

Christina Frank: Das Virus kennt man schon sehr lange. In den vierziger Jahren wurde es in Afrika das erste Mal nachgewiesen, in einem Affen.

ZEIT: Sind denn die tragischen Folgen auch schon so lange bekannt? Wenn sich eine Schwangere infiziert, kann es beim Kind zu einer schweren Entwicklungsstörung kommen, einer sogenannten Mikrozephalie mit geistigen und neurologischen Ausfällen.

Frank: Nein, diesen Zusammenhang haben brasilianische Behörden zum ersten Mal im Herbst 2015 gesehen, als dort auf einmal deutlich mehr Kinder mit einer Mikrozephalie geboren wurden, mit einem viel zu kleinen Kopf. Wobei man betonen muss, dass es bislang noch keinen eindeutigen Beweis für die Verbindung von Virusinfektion und Mikrozephalie gibt, nur sehr starke Hinweise.

ZEIT: Wie ist das Virus denn nach Brasilien gelangt?

Frank: Es wurde 2014 möglicherweise bei der Fußballweltmeisterschaft oder einem internationalen Kanuwettkampf unabsichtlich mitgebracht, entweder durch Mücken im Gepäck, die den Erreger in sich trugen, oder durch Menschen, die bereits infiziert waren.

ZEIT: Wie wird das Virus auf den Menschen übertragen?

Frank: Die meisten Betroffenen infizieren sich über Stiche der Gelbfiebermücke, die in den Tropen und Subtropen verbreitet ist. Möglicherweise gibt es aber auch noch andere Übertragungswege, etwa Geschlechtsverkehr, von denen man noch nicht weiß, wie wichtig sie sind.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 5 vom 28.1.2016.

ZEIT: Kann man schon absehen, wie groß die Gefahr während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro diesen Sommer sein wird?

Frank: In Rio ist dann Winter, und in dieser Jahreszeit werden normalerweise nicht so viele Krankheiten durch Mücken übertragen, weil die Bedingungen dafür nicht so gut sind.

ZEIT: Und wenn man sich jetzt in Brasilien oder einem der anderen betroffenen Länder in Süd- und Mittelamerika aufhält?

Frank: Dann kann man sich schon infizieren. Wobei die Krankheit eigentlich nur für ungeborene Kinder gefährlich ist. Menschen, die kein schlimmes Leiden haben, etwa eine Immunschwäche, erkranken auch nicht schwer.