Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Eine besondere Geste der Gastfreundschaft zeigte dieser Tage Italien. Der iranische Präsident war zu Besuch, und aus diesem Anlass verhüllte man nackte antike Statuen. Selbst die charmante Venusstatue in den Musei Capitolini durfte sich nicht in ihrer ganzen Pracht zeigen. Was einige Mitglieder des iranischen Abordnung vermutlich bedauerten. Tausche keinen Busen gegen Öl, werden nun Zyniker meinen. Nein, es ging allein um den Respekt vor der streng religiösen Haltung des Gastes. Es gab angeblich auch Überlegungen, dem Petersdom nach der Methode Christo ein riesiges Mäntelchen umzuhängen. Das scheiterte leider am Aufwand, ebenso wie das gut gemeinte Vorhaben, sämtliche 4.000 Kirchen Roms flugs in Sporthallen umzuwandeln. Doch diese Idee scheint richtungsweisend. In naher Zukunft steht vielleicht ein Staatsbesuch aus China in Österreich auf dem Programm. Sollte der auch aufs Land geführt werden, müsste man alle Kühe in Pferdekostüme stecken. Aus Respekt vor der Milchunverträglichkeit der Chinesen. Bei hohen Gästen aus Indien wiederum gebietet es die Achtung, alle Speisekarten umzuschreiben. Tafelspitz weg, stattdessen Spinatschnitzel mit Nan und Gurkensalat, also Raita. Bei einem japanische Staatsbesuch wiederum sollte man den Einheimischen Essen und Trinken auf der Straße verbieten, da das in Nippon als schwere Verfehlung gilt. So hätte ein Staatsbesuch einmal Sinn. Wesentlich leichter haben es andere Staaten bei unseren Staatsbesuchen. Da muss nichts verhüllt werden. Im Gegenteil, solange für ausreichend Speis und alkoholischen Trank gesorgt ist, scheint der Erfolg garantiert. Das ist wirklicher Respekt vor unserer Kultur.