Hamburg höchster Berg: der Hasselbrack CC BY-SA 3.0

Hamburgs höchster Punkt liegt gut versteckt. Im tiefsten Süden der Stadt, an der Grenze zu Niedersachsen, wölben sich die "Schwarzen Berge" empor, dort liegt das Naturschutzgebiet Fischbeker Heide, immerhin fast doppelt so groß wie der Ohlsdorfer Friedhof. Hier kann man Wald- und Feuchtgebiete erleben, ohne ständig über Grabsteine zu stolpern, hier blüht sommers die Besenheide, man begegnet mit Glück einem Reh und mit großem Pech einem Wildschwein. Es gibt ein Netz von Wanderwegen und, damit sich in der Wildnis niemand verläuft, jede Menge Hinweisschilder, ja sogar, ungewöhnlich für eine Wildnis, ein Informationshaus namens Schafstall. Von dem aus bricht täglich um 9.30 Uhr eine Heidschnuckenherde zur Arbeit auf und kehrt nach Dienstschluss um 16.30 Uhr zurück.

Aber vor allem liegt ein Faltblatt aus, das darauf hinweist, dass sich ganz in der Nähe die höchste natürliche Erhebung Hamburgs befindet: der Hasselbrack, mit 116 Metern über Normalnull.

Die meisten Wanderer belassen es bei diesem Wissen und treten lächelnd den Heimweg an. Immer wieder aber packt den einen oder anderen der Ehrgeiz, besagten Hasselbrack persönlich aufzusuchen. Aber: So viel hier sonst ausgeschildert sein mag, Hamburgs höchster Berg ist es nicht. Und wenn man versucht, sich mit Faltblatt, Google Maps und GPS zum Gipfel durchzuschlagen, werden die Wege auf einmal zu Pisten, zu Pfaden, zu Schlammrinnen.

Ist das Absicht? Schämt die Stadt Hamburg sich dafür, dass die geordnete Wildnis in dieser Ecke immer noch nicht fertig ist, die Elbphilharmonie aber bald doch? Oder möchte man nicht, dass jemand den Gipfel findet? Gibt es da ein – Geheimnis?

Um das vorwegzunehmen: Der Gipfel existiert. Er hat sogar einen Gipfelstein. Und er befindet sich tatsächlich auf Hamburger Gebiet, nicht etwa, falls Sie das dachten, in Wirklichkeit auf niedersächsischem. Es besteht auch sonst kein Grund, sich für den Hasselbrack zu schämen.

Ganz im Gegenteil. Genau hier, sagt Björn Marzahn von der Behörde für Umwelt und Energie, brüte der in Hamburg äußerst seltene Raufußkauz, ein kleiner Eulenvogel mit markantem Ruf und melancholischem Blick. Der Raufußkauz ist bedroht. Durch Mangel an Lebensraum, echter Wildnis also, durch Straßenbau und durch Störungen. "Deswegen möblieren wir den Bereich nicht mit Schildern", sagt Marzahn. Und deswegen führt nur ein Pfad zum Gipfel. Und so gibt es, das ist doch schön, in der letzten Ecke Hamburgs tatsächlich etwas wie eine Wildnis.