"Entschuldigen Sie bitte, falls ich gleich rausrenne und breche. Mir geht es nicht so gut", sagt Ildikó von Kürthy zur Begrüßung. Eben habe sie zu Hause noch heulend auf der Treppe gesessen, ihr Mann habe sie zum Interview in das Eppendorfer Café gescheucht. Was dort hilft und sie vor dem Erbrechen bewahrt: Ingwertee.

ZEIT: Frau von Kürthy, die Millionenauflagen Ihrer Bücher setzen viele Menschen mit Millionen Euro auf Ihrem Konto gleich. Mal ehrlich, wie reich sind Sie?

Ildikó von Kürthy: Ich war schon immer reich. Einfach weil ich mir nie mehr gewünscht habe, als ich mir leisten konnte. Das war schon so, als ich noch jeden Sonntag fünf Mark Taschengeld bekam. Jetzt verdiene ich deutlich mehr – aber ab wann ist man reich? Ich weiß es nicht. Mein Verdienst ist unregelmäßig. Ich bekomme einen Vorschuss, fange an zu schreiben und bekomme die nächste Rate zum Erscheinen des Buches. Wenn der Vorschuss eingespielt ist, fange ich wieder an zu verdienen. Oder wenn ich das nächste Buch schreibe.

ZEIT: Aber eigentlich müssen Sie doch keine Bücher, geschweige denn eine Kolumne für die Brigitte mehr schreiben, oder?

von Kürthy: Bücher schon. Ich würde aber nicht sofort verarmen, wenn ich die Kolumne nicht mehr hätte. Finanziell bin ich ziemlich unabhängig. Aber emotional bin ich total abhängig! Vielleicht ist es angesichts kommender Verhandlungen mit meinem Verlag nicht besonders klug zu sagen: Aber ich würde auch umsonst schreiben. Ich liebe das Schreiben. Ich bekomme Geld für etwas, was ich ohnehin tun würde. Das ist super. Wenn ich mit dem Schreiben aufhören müsste, müsste ich auch deutlich günstiger wohnen und deutlich weniger essen.

ZEIT: Sie leben in einem Haus in Harvestehude.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 6 vom 4.2.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

von Kürthy: Ja, ich wohne in einer wirklich teuren Gegend. Dafür braucht man eine Menge Schotter, und man muss bereit sein, sich außerordentlich langfristig zu verschulden. Aber es ist eben auch wunderschön hier. Ich schaue aus dem Fenster und freue mich. Das ist wie jeden Tag Reha.

ZEIT: Vergangenes Jahr haben Sie in einige schräge Dinge investiert: in die Reduktion von Bauchspeck durch Schockfrosten, in Fastenkuren und Botoxspritzen.

von Kürthy: Ich bin schon sehr gespannt auf meine Steuererklärung. Sonderausgaben: Fett gefrieren, Extensions, Schweigekloster, Wildniscamp und diverse Selbstfindungskurse. Ich hoffe sehr, dass meine Steuerprüferin das als betriebsbedingte Ausgaben durchwinken wird.

ZEIT: Alles für die Recherche für Ihr aktuelles Buch Neuland. Sie verwandeln sich darin in eine schlanke, botoxgestraffte Blondine.

von Kürthy: Das war eines von vielen Experimenten, die ich gemacht habe, um dieser tief sitzenden Sehnsucht nach mehr Glück und mehr Erfüllung auf die Spur zu kommen, die ich bei vielen Frauen in meinem Alter bemerke. Da herrscht so viel Unzufriedenheit ausgerechnet zu einem Zeitpunkt im Leben, wo man eigentlich allen Grund hätte, zufrieden zu sein.

ZEIT: Dachten Sie denn, als schlanke Blondine ist das Leben erfüllter, oder welche Vorstellung hatten Sie vor Augen?

von Kürthy: Ich wollte einmal so klischeehaft sexy und schön wie möglich sein. Wie sehr mich mein Äußeres nach innen hin verändert hat, hat mich schon erstaunt. Ich habe mich in dieser Zeit total gehasst. Man sah mir an, dass ich nicht aus dem Haus gehen konnte, ohne professionell geföhnt zu werden, dass ich dringend gefallen wollte und dass ich dafür Unsummen an Geld und sehr viel Zeit zu investieren bereit war. So bin ich eigentlich überhaupt nicht.