1. Platon lügt

Der griechische Philosoph Platon hat der Menschheit vor 2.500 Jahren eine Flause in den Kopf gesetzt: Er behauptete, der Mensch sei eine unvollständige Hälfte. Ursprünglich sei er als Kugel gemacht gewesen – mit vier Armen und vier Beinen. Weil er in dieser Beschaffenheit aber sehr stark und kugelrund in seinem Selbstbewusstsein war – und deshalb auch sehr frech zu den Göttern –, schnitten die neidischen Götter die Kugel entzwei und warfen die Hälften auf die Erde zurück.

Welch verzweifeltes Getümmel setzte ein!

Menschen, millionenfach auf der Suche nach der einzig möglichen Hälfte – der wahren Liebe. Die Ent-Zweiung des Menschen war für Platon die Ursache allen erotischen Sehnens.

Tja – und leider glauben wir immer noch dran.

Ich fürchte, das ist gerade für Frauen eine falsche Fährte. Denn: Sie suchen vergeblich, liebe Leserin. Ihre zweite Hälfte gibt es nicht. Sie ganz allein sind die Kugel: rund und schön. Niemand muss Sie vervollständigen, verteidigen oder Ihnen gar Bedeutung verleihen. Sie können sich natürlich mit anderen Kugeln auf unbestimmte Zeit zusammentun. Muss aber nicht sein. Rollt jede Kugel in ihre eigene Richtung, ist das genauso gut.

2. Das Happy End ist ein Mythos

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 6 vom 4.2.2016.

Warum stehen Frauen so sehr auf Liebe? Ich weiß es nicht, und es nervt mich auch ein bisschen. Ich habe eine inzwischen 19-jährige Tochter und hatte daher Einblick in vieles, was weiblichen Teenies allgemein als erstrebenswert hingestellt wird. Konsumiert man die Bücher und Filme, die auf diese Gruppe zugeschnitten sind, könnte man glauben, das Ziel der Frau bestehe auch im 21. Jahrhundert darin, einen Mann zu ergattern. Früher sollte es der Adelige sein, heute ist es der Gutausseher mit dem düsteren Geheimnis und dem edlen Gemüt. Märchen, Jugendliteratur, Girls-Serien, Werbung, Collegefilme – alles zielt darauf ab, junge Frauen auf die Lebenslüge der ewigen Liebe einzustimmen und einzutrimmen. Das nennt man Konditionierung. Am Schluss fallen sie einander garantiert in die Arme, jedenfalls in der Fiction. Da wird es mir warm ums Herz – und läuft mir kalt den Rücken herunter.

Am 18. Januar 2016 stand in der Bild-Zeitung: "Hochzeitsvorbereitungen – für Männer ein Albtraum, für Frauen der Sinn des Lebens".

Ajatollah Chomeini hätte es nicht schöner sagen können.

3. Er trägt dich nicht auf Händen

Männer sind etwas Wunderbares, wenn man sich von ihnen nicht alles gefallen lässt. Damit meine ich nicht bloß Unaufmerksamkeiten oder Rücksichtslosigkeiten, sondern auch all die Nettigkeiten. Natürlich ist es schön, wenn der Vorgesetzte (die meisten sind noch immer männlich) die schnuckelige Berufsanfängerin zum Essen einlädt und sich als ihr Mentor (Wir tun was für Frauen!) fühlt. Das ist freundlich. Warum sollten Sie das nicht annehmen? Insgeheim sind Sie ja stolz darauf.

Aber denken Sie daran: Die Zuwendung gilt im Grunde nicht Ihnen. So etwas geschieht tausendfach. Und nächstes Jahr fängt eine noch viel reizendere Kollegin an. Und Sie merken: Ich bin austauschbar. Besser ist es, Ihr Chef ist stolz auf Ihre Leistung als auf Ihre Begleitung. Und noch viel besser: Sie selbst sind stolz auf Ihre Leistung und nicht darauf, ihn begleiten zu dürfen. Sie selbst sind der Maßstab.

Irgendwann werden Sie den freundlichen Mentor nämlich überholen und zurücklassen müssen. Achten Sie also darauf, dass Sie ihm dann nichts schuldig sind.

Jobtipps für Frauen - "Wie schaffe ich es als Frau unter Männern?"