Wenn Blödsinn strafbar wäre, müsste man in diesen Tagen einen Haftbefehl beantragen. Festzunehmen wären die Manager einer Tiroler Skischule, die sich rühmen, das "weltweit erste Ski-Übungsgelände mit Schnee aus aktiviertem Wasser" zu betreiben. Vergangene Woche berichtete die Süddeutsche Zeitung über die Anlage, die mit speziellen Apparaturen "energiemäßig müdes" Wasser in seinen "Urzustand" zurückversetze, weswegen aus den Beschneiungsanlagen nur noch gesunder "Wohlfühlschnee" schneie.

Ob aktiviertes, belebtes oder informiertes Wasser – Gerichte haben längst geurteilt, dass es sich dabei um esoterischen Hokuspokus handelt. Nur lässt sich damit wunderbar Geld verdienen. Da muss man nur mal in Bioläden gehen, den Edelsteinhändler auf dem Wochenmarkt aufsuchen oder sich in der Bäckerszene umhören. Die Skianlage hat zur Selbstvergewisserung zwei Spezialisten für "bioinformative Regulationsmedizin" herausfinden lassen, dass Skifahren auf dem Zauberschnee das Wohlbefinden steigere.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 6 vom 4.2.2016.

Der Skizirkus führt in seiner Manege bisweilen recht skurrile Nummern auf. Viele Menschen haben kein Problem, wenn Berghänge für Pisten gerodet und mit Skiliften überzogen werden. Die meisten Skifahrer sind absolut einverstanden damit, dass Schnee mit irrsinnigem Energieaufwand künstlich erzeugt wird, falls er nicht pünktlich zur Ferienzeit selbstständig und reichhaltig vom Himmel fällt. Aber an der Natur versündigt sich, wer Wasser durch Rohre leitet und so dessen Informationsgehalt umstrukturiert. Was auch immer damit gemeint sein soll.

Dass sich die Testpersonen nach dem Wintersport besser gefühlt haben, könnte schlicht und einfach an der Bewegung an der frischen Luft gelegen haben. Wäre ja auch möglich. So, wie ebenfalls nicht ausgeschlossen werden kann, dass frisch informiertes Wasser besser informiert ist als jene, die es einsetzen.