Mister Tourismus wurde Dietrich von Albedyll genannt. Das muss man erst mal hinkriegen, so selbstbewusst muss man erst mal sein. Oder es muss verdammt gut laufen. Bei Hamburgs Tourismuschef fiel beides zusammen. Bis jetzt. In der vergangenen Woche musste von Albedyll zurücktreten – zwei Monate vor Ende seiner Amtszeit.

Von Albedyll soll private und öffentliche Interessen vermengt haben. Er hatte seine eigene Tourismusfirma gegründet, obwohl er noch in den bestens bezahlten Diensten der Stadt stand. Ob die Sache zulässig war, wird derzeit geklärt. In jedem Fall war sie ziemlich unelegant für einen wie Albedyll, den man stets in feinen Anzügen mit edlen Manschettenknöpfen sah, dessen Stärke schon von Berufs wegen die makellose Außendarstellung sein müsste. Schließlich hat keiner Hamburg je so erfolgreich in der Welt verkauft.

In diesem Monat hätte der 65-Jährige mit der runden Brille und dem akkuraten Seitenscheitel seinen letzten großen Auftritt gehabt, die Verkündung der Tourismuszahlen: Rund 12,6 Millionen Übernachtungen sollen es 2015 gewesen sein – ein Rekord, mal wieder. Dann: Rente, Reisen, Golf. Von Albedyll wäre in die Stadtgeschichte eingegangen, als derjenige, der die Übernachtungszahlen mehr als verdreifacht hat.

Welches Bild bleibt nun? 1983 begann von Albedylls Karriere als Mister Tourismus. Er kam als Manager von der Lufthansa, wurde Geschäftsführer bei dem, was man damals Fremdenverkehrszentrale nannte. 1989 entstand daraus die heutige Hamburg Tourismus GmbH. Die Idee, die Stadt gemeinsam mit der Wirtschaft zu vermarkten, galt als revolutionär, wurde zum Vorbild. Zu den Gesellschaftern von Hamburg Tourismus zählen die Handelskammer, der Tourismusverband und der Hotel- und Gaststättenverband.

Von Albedylls Strategie war effizient: Masse statt Klasse. Der Preis, den die Hamburger für den Tourismusboom zahlten, waren die sich stauenden Musicalbusse, der Schlagermove, die Harley Days, nicht zu vergessen die Kreuzfahrer. Aber: Die Zahlen stimmten. Albedyll hat Hamburg zur Marke gemacht. Und sich selbst.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr.7 vom 11.2.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Von dem, was jenseits der Marke in von Albedyll steckte, weiß die Öffentlichkeit wenig: Geboren als Sohn eines Siemens-Expats in Madrid, zur Einschulung nach Hamburg gekommen, verheiratet, keine Kinder, Hund. Im Hintergrund erzählt er, dass ihm die Musicals nicht so lägen und wie sehr er sich auf die Elbphilharmonie freue. Aber auch das gehört schon wieder zum Job. Beim Privaten tat er sich schwer, vielleicht auch, weil die Arbeit sein Leben war. Über Jahrzehnte schmiedete er Allianzen, vernetzte sich in der Branche wie kaum ein anderer, wurde Mitglied in zahllosen Gremien vom Vorstand des Deutschen Tourismusverbands bis zum Beirat des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr.

Dass er gerne noch eine Weile im Amt geblieben wäre, ist ein offenes Geheimnis. Er habe Lust weiterzuarbeiten, sagte von Albedyll im Dezember dem Abendblatt – und legte gleich dar, wie er sich das vorstellte. Er plane eine Hotelbetriebsgesellschaft zu gründen und ein Beratungsunternehmen, Schwerpunkt: Tourismus. Letztere Firma ließ er am 11. Dezember ins Handelsregister eintragen – Albedyll Tourismus GmbH, Stammkapital 25.000 Euro, Gegenstand des Unternehmens: Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Marketing und Vertrieb im Tourismus.