Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

"Sport soll ja auch süchtig machen", das denkt sich wohl mancher Zeitgenosse, der kopfschüttelnd Jogger beobachtet, die selbst bei Minusgraden nicht von ihrer Passion lassen können und prustend durch die Stadt laufen, eingehüllt in ihre Atemwölkchen.

Grundsätzlich ist gegen Sport in der Kälte nichts zu sagen. Allerdings merkt mancher Läufer, dass nachher seine Lunge teuflisch brennt. Die eiskalte Luft greift das Atemorgan an, wenn sie bei Anstrengung tief eingeatmet wird. Durch den Kältereiz ziehen sich die Bronchien zusammen. Vor allem aber kann kalte Luft nicht so viel Feuchtigkeit speichern wie warme und trocknet so die Schleimhäute aus. Das kann besonders Asthmatikern und Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) zu schaffen machen. Die sollten bei Kälte körperliche Anstrengungen meiden.

Zum Glück hat der Mensch aber eine natürliche Klimaanlage: die Nase. Die erfüllt gleich drei Funktionen. Erstens erwärmt sie die Luft, weil die durch die Nase einen längeren Weg zurücklegt, als wenn man durch den Mund atmet. Zweitens filtern die Härchen in der Nase Partikel und Bakterien aus dem Atemstrom. Und drittens wird die Luft von der Nasenschleimhaut angefeuchtet. Das ist auch der Grund, warum bei Kälte die Nase zu laufen beginnt: Der Kältereiz führt zu einer höheren Durchblutung der Nasenschleimhaut, es wird mehr Feuchtigkeit produziert.

Durch die Nase zu atmen ist also tatsächlich eine gute Strategie, um die Atemwege vor kalter, trockener Luft zu schützen. Das heißt für die meisten Jogger aber auch: einen Gang runterschalten, sodass sie durch die Nase überhaupt noch genügend Luft bekommen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 7 vom 11.2.2016.

Irgendwann schafft es aber auch der Klima-Kolben nicht mehr, die Luft warm und feucht genug zu machen. Bei Temperaturen unter minus 15 Grad raten Ärzte dazu, sportliche Aktivitäten nach drinnen zu verlagern. Und unter minus 20 Grad wird es selbst für Leistungssportler ungemütlich. Dann wird auch schon mal ein Skilanglauf-Weltcup-Rennen abgesagt.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio