"Ich habe die PiS gewählt"

Marysia Kądzielska (22) studiert Philosophie in Warschau

Die letzte Regierung konnte acht Jahre lang machen, was sie wollte, wir hatten ein großes Problem mit Korruption. So lange sollte keine Partei regieren, es braucht Veränderungen in der Politik. Mit der PiS kam der politische Umschwung, und das war wichtig. Ich würde sie wieder wählen. Ich finde es gut, dass die PiS das polnische Militär stärkt und dass sie klare Ansagen in der Flüchtlingspolitik macht. Die Linie ist zwar für meinen Geschmack etwas zu radikal. Ich hätte nichts gegen ein paar Tausend Flüchtlinge in Polen, und es sind auch keine schlechten Menschen – aber ich bin der Meinung, dass eine zu hohe Zahl die Gesellschaft spaltet. Die Diskussionen über die Politik der PiS sind sehr heftig, ich erlebe gerade, wie Freundschaften daran zerbrechen. Dass jetzt auch ausländische Medien über polnische Politik berichten, finde ich gut. Je mehr Beobachtung, desto mehr Transparenz. Allerdings: Wenn ich in Berlin deutsche Medien lese, bekomme ich vermittelt, in Polen könnte man seine Meinung nicht mehr frei äußern. Die Regierungsentscheidungen werden dabei nicht im Kontext gesehen: Es ist in Polen generell ein Problem, dass die Politik Einfluss auf Medien und Wirtschaft hat. Schon vor der PiS. Aktuell wird es nur deutlicher spürbar. In der Studentenzeitschrift und dem Magazin, für die ich schreibe, haben wir die letzte Regierung kritisiert, wegen der Korruption. Jetzt kritisieren wir die aktuelle Regierung, weil sie einige ihrer Wahlversprechen im Bereich Wirtschaft nicht umsetzt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas nicht mehr sagen oder schreiben dürfte.

"Ich bin in einer Freakshow"

Steve Naumann (26) aus Leipzig macht einen Master in Breslau

Es geht hier an den Unis hauptsächlich darum, dass sie einen gut auf das Berufsleben vorbereiten. Während meines Studiums in Deutschland dagegen debattierten wir viel häufiger auch über politische Themen. Ort der Diskussion sind hier vor allem die sozialen Netzwerke. Was dort von manchen Kommilitonen gepostet wird, ist heftig und liegt abseits meines Demokratieverständnisses. Wenn ich als Deutscher polnische Zeitungen lese, denke ich manchmal, ich bin in einer Freakshow gelandet. "Das Recht ist nicht heilig. Die Nation steht über dem Gesetz", wurde etwa letztens aus einer Parlamentsdebatte zitiert. Die Neuausrichtung der öffentlich-rechtlichen Sender ist schon jetzt spürbar. Die nächsten vier Jahre werden sie wohl das Sprachrohr der Regierung sein. Die Empörung darüber hält sich an der Uni in Grenzen. Es gibt humanistisch-liberale Gruppen in Breslau, die für Toleranz und Offenheit demonstrieren, aber selten sind es mehr als 200 Teilnehmer. Es ist ein eher leiser Protest. Die Jungen, die deutlich rechter ausgerichtet sind, sind hingegen laut. Sie vertreten nationalistische Positionen, teilen Artikel, die gegen Flüchtlinge hetzen. Es ist nicht die Mehrheit, aber sie setzen derzeit die Themen, vor allem in den sozialen Medien. Diese Entwicklung wirkt auf mich wie eine umgekehrte 68er-Bewegung. Ein Wertewandel und ein Bruch mit älteren Generationen, der auch von vielen Studenten vorangetrieben wird. Im Gegensatz zur 68er-Bewegung geht es darum, Demokratie und Toleranz zu schwächen. Es sind die Älteren, die gegen die Regierung demonstrieren.