Morgens kurz nach acht auf der Hundewiese. Nein: Es ist keine Hundewiese. Es ist der Park am Weiher, an dessen Eingängen Schilder stehen, denen zufolge Hunde angeleint sein müssen. Schilder, die die Hundehalter allerdings konsequent ignorieren. Kaum haben sie mit ihren Hunden das Schild passiert, lösen sie die Leinen, und die Tiere rasen los. In der Theorie ist das verständlich – die Stadt ist eng, vor allem für große Hunde mit starkem Bewegungsdrang, wie sie sich viele Städter aus lauter Tierliebe derzeit zulegen. In der Praxis braucht man gute Nerven, wenn einem eine Rotte von sechs, sieben Hunden entgegenschießt. Dass die meistens eher närrisch als aggressiv sind, merkt man erst, wenn sie einen verschont haben und auf einen Jogger zuhalten. Der starr stehen bleibt, als sei er ein Baum (hoffend, dass die Hunde den Unterschied doch erkennen), während weiter hinten der Hipster-Papa mit Kinderwagen den Park hastig verlässt.

Der Jogger berichtet, er sei schon diverse Male von Hunden gestellt worden wie ein Reh; deren Besitzer hätten getan, als sähen sie das nicht. Fragt man die Herrchen selber, bilden sich mehrere Fraktionen heraus: Die erste beachtet einen nicht, während ihre Tiere die Wiese, auf der nachmittags Kinder spielen, zum Acker machen. Die zweite behauptet, sie habe die Schilder noch nie wahrgenommen beziehungsweise könne die rätselhafte Zeichnung darauf – Hund mit Leine – nicht deuten. Die dritte wird umso frecher, je mehr Haufen ihr Liebling auf den Weg setzt. Es gibt noch eine nette Fraktion, doch diese ist klar in der Minderheit. Die meisten hier leisten es sich, diverse Regeln des sozialen Miteinanders offensiv zu ignorieren. Nichts gegen Hundeliebe. Aber: Wozu gibt es Schilder, wenn keiner sie ernst nimmt?

Doch, sagt Anja Bunning vom Bezirksamt Eimsbüttel, man unternehme etwas: In den Jahren 2014 bis 2016 erteilten die Ordnungshüter des Bezirks hier insgesamt elf schriftliche Verwarnungen. Also circa fünf in einem Jahr – könnte man diese Quote in einer einzigen Viertelstunde nicht glatt vervielfachen? So einfach sei das nicht. Die Zuständigen müssten sich nicht nur um Hunde kümmern. Sondern auch um Schrotträder, Schrottfahrzeuge, nicht genehmigte Sondernutzungen. Und: Sie seien nicht viele. Nur fünf.

Das ist natürlich verständlich. Wenn es 500 Leute wären, oder 5000. Aber so ...

Man wird sich damit abfinden müssen, dass der Weiherpark nun Hundeauslauffläche ist. Hundelose, denen das nicht passt, könnten doch ganz einfach auf dem eingezäunten Spielplatz am Rand des Parkes spazieren gehen. Klar, nur so lange, bis die Hundebesitzer ihn brauchen.