"Ziehen Sie sich was Altes an", hat der Dozent im Vorhinein gesagt. Alles könne schmutzig werden im Lehrbergwerk. Tatsächlich sehen die Bergbau-Studenten wie Kanalreiniger aus, alle tragen gelbe Gummistiefel. Professor Egon Fahning fragt: "Wie stellen Sie fest, ob ein Seil in Ordnung ist?" Die Studenten schweigen. Fahning fragt noch einmal. Die Studenten grübeln. "ANGUCKEN!", ruft der Professor. "Wenn ein Seil kaputt ist, DANN KANN MAN DAS OFT SEHEN!" Die Studenten nicken. Fahning fährt fort: "Junge Ingenieure meinen, sie müssten kompliziert denken. Aber Ingenieure denken einfach! Das Komplizierte kommt von allein."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 9 vom 18.2.2016.

Das Komplizierte kommt tatsächlich von allein. Dozent Jürgen Weyer fährt mit den Studenten im Förderkorb 150 Meter tief in den Berg hinein, stapft durch matschige Gänge. "Ist das ein Erzgang?", fragt er und zeigt auf eine dunkle Fläche. Nein, sagt ein Student. Da haut Weyer mit dem Hammer gegen die Wand. Funken sprühen. Wenn es funkt, ist es Erz. Also doch! "Wahrscheinlich denkt ihr zu kompliziert", stellt auch er später fest. Aber mal ganz ehrlich, das ist ja auch das Schwerste auf der Welt, möchte man entgegnen: einfach zu denken.