Das Phantom fand klare Worte: Zhou Xiaochuan, der Gouverneur der chinesischen Zentralbank, hat in einem Interview am Wochenende versucht, die Sorgen um die Währung seines Landes zu zerstreuen. Nein, es gebe "keine Motivation", den Renminbi – im Alltag auch Yuan genannt – abzuwerten, um Chinas Exporte hochzutreiben. Es sei zudem "völlig normal", dass die Devisenreserven des Landes gefallen seien. Es gebe "spekulative Kräfte", doch man lasse nicht zu, dass diese den Markt dominierten.

Über Monate war Zhou Xiaochuan abgetaucht, lange hatten die Finanzmärkte auf so ein Signal gewartet. The People’s Bank of China, so lautet der offizielle Name der Notenbank, ist vielen im Westen kein Begriff, doch sie zählt heute neben der Federal Reserve in Washington und der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zu den wichtigsten Adressen in der Welt des Geldes.

Ihr Problem: Sie steckt in einem Dilemma – und bisher ist es ihr kaum gelungen, der Welt klarzumachen, welche Strategie sie verfolgt. Es geht um die Frage, ob Chinas Währung an Wert verliert und wenn ja, wie schnell und wie stark. Anders als beim Euro oder beim Dollar entscheidet darüber vor allem die Zentralbank, nicht der Markt.

Die Antwort auf diese Frage betrifft die gesamte Weltwirtschaft. Es waren vor allem größere Abwertungsschritte der chinesischen Zentralbank und die Unklarheit über ihr Ziel, die in den vergangenen Monaten immer wieder für Erschütterungen an Asiens Börsen und damit auch im Rest der Welt sorgten. Rohstoffproduzenten fragten sich, ob das bedeute, dass Chinas Wirtschaft noch schlechter dastehen und noch weniger Rohstoffe nachfragen könnte als befürchtet. Und Industriebetriebe rund um den Globus bekamen Angst, China könnte bereit sein, seine Waren zum eigenen Vorteil und zum Schaden anderer zu verbilligen oder gar einen Währungskrieg zu riskieren. Wertet China seine Währung stark ab, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass andere Länder ihm folgen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Wurzel des Problems: Chinas Wirtschaft verliert an Fahrt. Offiziell wächst sie noch knapp sieben Prozent im Jahr, doch der Trend weist nach unten. Daher verliert der Renminbi international an Wert, der Wechselkurs steht unter Druck. Das ist auch der Grund, warum westliche Hedgefonds inzwischen mit riesigen Beträgen auf eine Abwertung des Renminbi wetten: Sie halten diese für unausweichlich. Damit hat das Ringen um den Wert der Währung etwas von einem Duell mit den Finanzmärkten bekommen. "Chinas Währung den Krieg erklären? Haha", schrieb eine Staatszeitung jüngst.

Gegner in dem Duell ist Chinas Zentralbank. Sie bestimmt maßgeblich über den Wechselkurs des Renminbi und gebietet über die Devisenreserven des Landes. Sie kann dem Druck nachgeben und den Wechselkurs schwächer werden lassen – oder den Wechselkurs stabil halten und ihre Devisenreserven nutzen, um am Markt Renminbi zu kaufen und so den Druck auf die Währung zu reduzieren.

Ein Dilemma: Im ersten Fall riskiert sie, dass Kapital aus dem Land strömt und an den Märkten die Angst vor einer großen Abwertung wächst. Im zweiten Fall sinken die Devisenreserven.