Eines muss man Hans-Jörg Schmidt-Trenz lassen: Man sieht ihm das alles nicht an. Nicht, dass vergangenen Sommer die halbe Stadt über sein großzügiges Gehalt lästerte. Nicht, dass die Hamburger die von ihm und der Handelskammer aufwendig vorangetriebenen Olympiapläne ablehnten. Nicht, dass die Handelskammer nie zuvor in ihrer gut 350-jährigen Geschichte so stark infrage gestellt wurde. Von der Öffentlichkeit, den Mitgliedern, den Gerichten.

Eine Kampagne gegen die Kammer, so sieht es Schmidt-Trenz. Und damit ist es auch eine Kampagne gegen ihn, schließlich ist er seit zwanzig Jahren der Hauptgeschäftsführer.

Über Machtmenschen, die so viel Gegenwind bekommen, liest man oft, sie seien gezeichnet, erschöpft, abgekämpft. Schmidt-Trenz hingegen müsste man an diesem Nachmittag in der Hamburger Handelskammer eher so beschreiben: ungerührt, beherrscht, stoisch.

Dabei droht längst der nächste Kampf.

Noch am Vormittag hatte Schmidt-Trenz zu Unternehmern und Journalisten über Elektroautos gesprochen. Er sagte, das Engagement der Kammer zahle sich aus, und dass alle an einem Strang ziehen müssten. Worte, gegen die keiner etwas haben kann. Vielleicht ist Schmidt-Trenz zuletzt ein wenig vorsichtiger geworden, auch wenn er das nie zugeben würde.

Man kennt ihn als einen, der zuzuspitzen weiß: So wie 2013 in der Kampagne gegen den Netzerückkauf, den Schmidt-Trenz als "Schildbürgerstreich" bezeichnete, mit dem man kein Geld "verplempern" sollte. Schon im November hatte das Hamburger Verwaltungsgericht das Engagement der Kammer für rechtswidrig erklärt. Nun liegt die Urteilsbegründung vor: 18 für Schmidt-Trenz ziemlich unerfreuliche Seiten, die vor allem eines sagen: dass die Kammer ihre Rolle als politischer Machtfaktor in der Stadt ziemlich grundlegend überdenken muss.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 9 vom 18.2.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Die Richter sprechen von "auf peinliche Weise unzeitgemäßen Geschlechterklischees" in der Kampagne gegen die Netzaktivisten, von "polemisch aufgeladenem Engagement". Die Kammer habe ihre Kompetenzen überschritten, sich auf ein Kampfbündnis eingelassen und damit ihre eigene Legitimation infrage gestellt. Das sitzt.

"Ein Angriff auf die Rolle der Handelskammer", sagt Schmidt-Trenz. Man wolle und werde das nicht hinnehmen. Schon, weil in gut einem Jahr die Hamburger Unternehmer ein neues Kammerplenum wählen. Es ist eine Art Parlament der Hamburger Wirtschaft, in dem die Kammer ihre Positionen erarbeitet.

Lange geschah das laut- und reibungslos. Bis vor zwei Jahren Unternehmer des kammerkritischen Bündnisses "Die Kammer sind Wir" in das Plenum gewählt wurden. Ihre Forderung: mehr Transparenz und Mitbestimmung. Der Anführer: Tobias Bergmann, ein Unternehmensberater aus Bayern. Das Erkennungszeichen: ein rotes W. Für das "Wir".

Seitdem kämpfen in der Kammer, grob gesagt, Neulinge gegen Etablierte. Noch sind die Neuen wenige, sie eroberten 13 von 66 Sitzen. Doch ihre Pläne sind ehrgeizig: In den kommenden Wahlen wolle man 51 Prozent der Mandate holen, sagt Bergmann. Er werde für jeden Sitz im Plenum einen Kandidaten aufstellen. Er sei vorbereitet.

Seine Gegner allerdings auch: Derzeit werden in den Kammerausschüssen Änderungen des Wahlrechts und der Satzung diskutiert, die Bergmanns Plänen nicht gerade helfen dürften.