Barbara Kisseler sitzt vor Beginn des Gesprächs mit einer Keks-Ausstechform der Elbphilharmonie in der Hand an ihrem Schreibtisch. Kisseler, 66, parteilos, seit 2011 Kultursenatorin, möchte über die Eröffnung des Konzerthauses im Januar 2017 sprechen. Immer wieder lenkt sie das Gespräch auf dieses Thema – und weg von ihr als Person. Das Interview beginnt sie schon vor der ersten Frage.

Barbara Kisseler: Wieso wollen Sie eigentlich mit mir über Geld reden? Die Kulturbehörde hat doch kein Geld. Und das, was ich habe, reicht auch nicht aus.

DIE ZEIT: Das ist jetzt aber kokett. Ein bisschen Geld haben Sie schon, oder?

Kisseler: Ich persönlich schon. Ich werde ja bezahlt für das, was ich mache.

ZEIT: Und der eine oder andere Kulturschaffende holt sich bei Ihnen auch sein Taschengeld ab.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 10 vom 25.2.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Kisseler: Der müsste noch geboren werden, der hier mit einem Taschengeld zufrieden ist.

ZEIT: Macht es Ihnen schlechte Laune, wenn das Geld fehlt?

Kisseler: Nein, aus dem Alter bin ich raus. Seit ich kulturpolitisch tätig bin, gab es immer zu wenig Geld. Das ist für mich keine neue Erfahrung. Die Kultur kommt fast immer zuletzt: Das Phänomen zieht sich durch alle Bundesländer und Kommunen. In Hamburg sah es nur insofern anders aus, als dass wir hier lange Zeit ein Symbol für Geldverschwendung hatten: die Elbphilharmonie. Das haben wir zum Glück korrigieren können.

ZEIT: Korrigieren? Die Elbphilharmonie kostet ja immer noch etwa fünfzehnmal so viel wie seinerzeit versprochen.

Kisseler: Knapp dreimal so viel, da das Projekt ursprünglich für 272 Millionen Euro beschlossen wurde und heute 789 Millionen Euro kostet. Aber das macht die Projektgeschichte nicht besser. So, wie die Elbphilharmonie jetzt dasteht, ist sie trotzdem eine Ikone, eine Wahnsinnschance für Hamburg. Die Elbphilharmonie wird sich als Wahrzeichen in die DNA der Stadt einbringen, wenn ich das mal so pathetisch formulieren darf. Städte entstehen in Jahrhunderten, da darf man nicht in Legislaturperioden denken. Aber zu teuer ist sie natürlich gewesen.

ZEIT: Wenn Finanzsenator Peter Tschentscher den Namen Kisseler auf seinem Handydisplay liest, weiß er dann: Es geht ums Geld?

Kisseler: Das weiß er aber auch, wenn er die Namen der Senatoren Grote oder Rabe oder Leonhard liest. Ich stehe ihm ohnehin lieber Auge in Auge gegenüber und sage: Peter, wir müssen reden.