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Der Eisbär, der einsam auf seiner Eisscholle sitzt, ist das Symboltier für den Klimawandel. Wenn das Eis am Nordpol schmilzt, schrumpft sein Lebensraum. Die amerikanische geologische Regierungsorganisation USGS prognostiziert, dass die Population der Eisbären bis Mitte des Jahrhunderts um zwei Drittel zurückgehen könnte. Und sollte das Nordpolareis ganz abschmelzen, hätten die weißen Riesen überhaupt keinen Lebensraum mehr.

Am Südpol gibt es bekanntlich keine Eisbären. Da liegt der Gedanke nicht fern, der Natur ein bisschen nachzuhelfen und die Tiere in die Antarktis umzusiedeln, wo der Eispanzer viel dicker ist. Tatsächlich haben Biologen große Umsiedlungen aufgrund des Klimawandels vorgeschlagen. "Assistierte Kolonisierung" nennt sich das, 2008 erschien ein Artikel zu dem Thema in Science. Die Autoren sprachen sich dafür aus, vom Klimawandel bedrohte Tierarten in ähnliche "biogeografische Regionen" zu verfrachten. Sie schränkten allerdings ein: "Wir empfehlen nicht, Nashornherden in Arizona anzusiedeln oder Eisbären in der Antarktis."

Die Einführung von neuen Arten in andere Ökosysteme ist nämlich immer problematisch. In der Antarktis leben Pinguine und Robben, die kaum natürliche Feinde kennen. Für die Eisbären wären sie aber im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Das wäre nicht nur traurig, sondern hätte unabsehbare Folgen für das Ökosystem, etwa für die Fischbestände. Es könnte aber auch sein, dass die Eisbären diesen Umzug gar nicht verkraften und trotzdem aussterben würden.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 10 vom 25.2.2016.

Ohnehin wäre die Umsiedelung laut Antarktisvertrag streng verboten. Der erlaubt es Forschern noch nicht einmal, Schlittenhunde mit zum Südpol zu nehmen.

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