Genderthemen werden an dieser Stelle nur zurückhaltend und stets mit dem gebotenen Ernst behandelt. An Mann-Frau-Fragen interessierte Leser verweise ich insofern an meinen Kollegen Harald Martenstein, der diese hin und wieder im ZEITmagazin diskutiert. Vor Kurzem befasste er sich mit dem Plan der nordrhein-westfälischen Stadt Münster, die öffentlichen Kinderspielplätze auf Geschlechtergerechtigkeit hin zu untersuchen. Was man natürlich tun kann, wenn man keine anderen Probleme hat. Glückliches Münster!

Privatwirtschaftlich arbeitende Unternehmen ignorieren die Gleichstellung weiterhin nach Kräften. Schlimmer noch: Die Kosmetikindustrie versucht seit Jahren hartnäckig, mit ihren Männerpflegeserien alte Geschlechterunterschiede zu zementieren und ewiggestrige Klischees zu bedienen. Und auch die Lebensmittelbranche scheint den fünfziger Jahren verhaftet zu bleiben. "Herrentorte, Herrenschokolade", schrieb Leserin Beate S. kürzlich in ihrer E-Mail, "und jetzt auch noch Herrenkonfitüre!" Beigefügt hatte sie ein adrettes Foto einer "Spezialität" aus den Bad Schwartauer Marmeladenwerken – es zeigt eine schwarze Dose "Herrenkonfitüre" mit einer Orange, einem Pfirsich, Johannisbeeren sowie dem Hinweis "mit Scotch Whisky".

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 10 vom 25.2.2016.

Unmissverständliche Botschaft an die Herren: Obst ja, aber bitte nur mit Schnaps. Enjoy responsibly! Was ich als Mann echt schwierig finde, aber vielleicht bin ich ja der Einzige, der das tut. Männer können auch ohne Alkohol frühstücken (sofern sie nicht in Kleingruppen mit der Bahn zu einem Fußballspiel anreisen).

Läge Bad Schwartau in Nordrhein-Westfalen, womöglich sogar in der Nähe von Münster, wäre der Fruchtaufstrich wahrscheinlich längst durchgegendert und würde "Herren- und Damen-Konfitüre mit Scotch Whisky und Prosecco" oder so heißen. Oder schlicht "Unisex-Fruchtaufstrich".