Christ+Welt: Frau Göring-Eckardt, der Katholikentag hat die AfD von seinen Podien und Diskussionen ausgeladen. Finden Sie das richtig?

Katrin Göring-Eckardt: Das ist ein starkes Zeichen, dass Hetzer keinen Platz auf dem Katholikentag haben. Zugleich macht der Katholikentag klar, dass ihm der gesellschaftliche Zusammenhalt am Herzen liegt. Da ist es sehr nachvollziehbar, dass er Personen auslädt, die die Gesellschaft eben nicht zusammenhalten, sondern ganz offensichtlich spalten wollen. Die AfD mutiert immer mehr zur rechtsnationalen Partei. Ihre Vorsitzende Frauke Petry will an den Grenzen auf Flüchtlinge schießen lassen. Außerdem versucht sie Christen und Muslime gegeneinander auszuspielen. Alexander Gauland, ihr brandenburgischer Fraktionsvorsitzender, redet von Lügenpresse und lässt sich vom Sender Russia Today interviewen, der als Putins Sprachrohr gilt

C+W: Sie selbst diskutieren mit AfD-Politikern.

Göring-Eckardt: Ja, das tue ich in Talkshows. Ich sehe es als meine Aufgabe, in der politischen Auseinandersetzung die AfD zu stellen und ihren rassistischen und unchristlichen Kern offenzulegen, der sich hinter einer scheinbar bürgerlich-konservativen Fassade verbirgt.

C+W: Was unterscheidet den Katholikentag von einer Talkshow?

Göring-Eckardt: Der Katholikentag ist kein öffentlich-rechtliches Medium. Er ist frei, zu tun und zu lassen, was ihm richtig scheint. Seine Entscheidung zeugt von Selbstbewusstsein. Er zeigt Haltung und macht deutlich, dass Hetze, Rechtspopulismus und Rassismus nicht mit seinen Werten vereinbar sind und keinen Platz auf dem Katholikentag haben. Nach den Angriffen von Frauke Petry gegen die Deutsche Bischofskonferenz bestätigt sich das noch einmal.

C+W: Barbara John, die langjährige Flüchtlingsbeauftragte des Berliner Senats, findet das falsch, und sie hat auch die Entscheidung kritisiert, das Licht der Dome in Erfurt und Köln auszuschalten, wenn Pegida auf den Plätzen davor demonstriert. Widersprechen Sie ihr?

Göring-Eckardt: Ich finde das klare Statement der Kirchen richtig und auch notwendig. Gerade wenn die Stimmung aufgeheizt wird, ist es gut, wenn wichtige gesellschaftliche Anker Haltung haben und diese auch offen zeigen. Damit geben sie Halt. Wenn vor dem Erfurter Dom gehetzt wird, dann sagt Bischof Neymeyr zu Recht: Dafür schafft die Kirche keine Kulisse, dann stehen sie im Dunkeln. Das unterstütze ich. Kirche muss nicht neutral sein, Kirche muss Haltung zeigen. Das hat sie in Köln und Erfurt und an vielen anderen Stellen getan.

C+W: Gilt das Nein für Randparteien insgesamt? Sollten die Kirchen auch die Linkspartei ausschließen?

Göring-Eckardt: Nein. Es geht nicht darum, Parteien auszuschließen. Die Entscheidung bezieht sich auf die Situation: Die AfD macht mit Flüchtlingen ein politisches Geschäft am rechten Rand der Gesellschaft – und sie spaltet die Gesellschaft. Als Katholikentag dafür die Bühne zu verweigern, finde ich unterstützenswert.

C+W: Sie sitzen auch im Präsidium des Evangelischen Kirchentags. Wie geht der Kirchentag mit Parteien am rechten Rand um?

Göring-Eckardt: Beim Kirchentag entscheiden die Projektgruppen. Meines Wissens hat es dazu noch keine Grundsatzentscheidung gegeben. Aber etwa die Evangelische Kirche von Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz hat beschlossen, dass AfD-Mitglieder nicht für die Gemeindekirchenräte kandidieren können. Auch das finde ich richtig.