Ein Unterstützer des syrischen Regimes im Oktober 2012 vor der US-Botschaft in Moskau © A. Smirnov/AFP/Getty Images

Der Zweifrontenkrieger: König Salman ibn Abd al-Aziz

Das Oberhaupt Saudi-Arabiens führt einen Abwehrkampf an mehreren Fronten. Als Hüter der heiligen Stätten des Islam, der mit dem Westen kooperiert, steht die Monarchie im Visier des militanten Dschihad – jener radikal-religiösen Ideologie, die das wahhabitische Saudi-Arabien zu verbreiten half. Nun wendet sie sich in Form des IS gegen ihre Schöpfer. Zudem ist der Ölpreis, mit dem sich das Saud-Regime inneren Frieden erkaufte, drastisch gefallen. Das alles nutzt, so glauben die Saudis, der schiitische Rivale Iran aus: Nach dem Nuklear-Deal dient er sich dem Westen als alternativer Partner an, und er unterstützt die Rebellion schiitischer Huthi gegen den König im saudischen Nachbarland Jemen – was eine Intervention der Golfstaaten unter Führung Saudi-Arabiens auslöste. Der König kämpft also innen wie außen gegen Dschihadisten und Schiiten. (BIT)

Der Ordnungschaffer: Wladimir Putin

Russlands Präsident stützt Assad, weil er glaubt, durch die Stabilisierung der "gewählten Regierung" Syriens sowohl eine weitere Chaotisierung der Region aufhalten als auch einen Verbündeten halten zu können. Putins außenpolitischer Leitsatz ist: Die Stabilität einer Herrschaft ist wichtiger als ihre Legitimität. Ähnlich wie in der Ukraine führt Putin aus seiner Sicht in Syrien eine Abwehrschlacht gegen eine verantwortungslose Völkerbefreiungsideologie Amerikas und Europas und ihr liberales Gesellschaftsmodell. Seit Oktober unterstützt die russische Luftwaffe die Assad-Armee bei Bombardierungen, die laut UN den absichtlichen Beschuss von Zivilisten und Krankenhäusern einschließen. Dass dadurch Flüchtlingsströme verstärkt werden, die Europa unter Druck setzen und die politischen Ränder stärken, ist für Putin ein Nebennutzen. (BIT)

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 10 vom 25.2.2016.

Der Zauderer: Barack Obama

Der US-Präsident glaubt, dass Assad jede Legitimität verloren hat. Trotzdem ist er nicht bereit, einen weiteren regime change in der muslimischen Welt zu erzwingen. Er hat den Amerikanern versprochen, die USA aus Bodenkriegen herauszuhalten und in keine neuen hineinzuziehen. Obama meint, dass US-Truppen im Nahen Osten letztlich mehr Terrorismus erzeugen, als sie bekämpfen. Dennoch führen die USA eine internationale Koalition an, die seit Mitte 2014 Luftangriffe auf den IS fliegt. Mit über 180 Flugzeugen stellen sie den größten Teil dieser Kräfte, außerdem operieren einige US-Spezialkräfte innerhalb Syriens, unter anderem um Ziele für Bomben auszukundschaften. Die Einrichtung einer Flugverbotszone, um Zivilisten zu schützen, lehnt Obama ab; sie hätte möglicherweise eine Konfrontation mit russischen Kampfjets zur Folge. (BIT)

Der Flexible: Salih Muslim

Muslim ist Chef der PYD, der dominierenden Kurdenpartei in Syrien. Ihr militärischer Arm YPG ist de facto die Bodentruppe der USA gegen den IS. Die syrischen Kurden sind pragmatisch und verbünden sich mit denen, die sie unterstützen: mit den USA (gegen den IS) und nun auch mit den Russen (gegen die Rebellen). Nur so war es ihnen seit Ende 2013 möglich, die Kontrolle über einen fast vollständig zusammenhängenden Landstrich an der Grenze zur Türkei zu erlangen. Rojava nennen sie dieses faktisch autonome Gebiet, das drei Kantone umschließt: Cizire, Kobane und Efrin. Die einzige Lücke besteht derzeit noch im Gebiet um die Stadt Azaz – über sie führt der Hauptversorgungsweg für die Anti-Assad-Kräfte im derzeit hart umkämpften Aleppo. Für die Türken ist die PYD der syrische Ableger der als Terrororganisation eingestuften PKK. (TOP)