Das Auto stand einst für Aufbruch, Fortschritt und Freiheit. Familien, die im Wirtschaftswunder der 1960er Jahre genug Gespartes hatten, fuhren mit dem VW-Käfer über die Alpen nach Italien und machten Urlaub am Gardasee, an der Riviera oder Adria. Das Auto wurde zum Symbol für Wohlstand und für Individualität.

An der "Freude am Fahren", dem Antrieb der Mobilitätsgesellschaft, ändern bis heute auch kilometerlange Staus nichts, die Pendler in Metropolen Tag für Tag stoisch ertragen. Das Auto ist Statement, Vehikel für Genuss und Selbstverwirklichung.

Genug der Romantik: Autos sind schließlich auch rollende Computer, in denen durchschnittlich 100 Millionen Zeilen Programmiercodes stecken. Das gesamte Space Shuttle kam mit etwa 400.000 Zeilen Code aus. Die Technik ist mittlerweile so komplex, dass Volkswagen Behörden und Verbraucher jahrelang mit einfachen Softwareprogrammen, die die Abgasnachbehandlung vom Straßenbetrieb auf Laborbetrieb umschalteten, hinters Licht führen konnte, wie der Abgasskandal belegt.

Mit der nächsten Stufe der Digitalisierung werden Autofahrer ihre Freiheit nun endgültig los. In immer mehr Fahrzeuge ist ein Unfalldatenspeicher (Event Data Recorder) eingebaut, eine Art Blackbox, die Beschleunigungs- und Bremsdaten speichert und automatisch auswertet. Motto: "Sag mir, wie du fährst, und ich sage dir, was du zahlst." Ein Unfalldatenspeicher registriert unablässig Daten und errechnet nach jeder Strecke einen Punktwert (Score). Versicherungen entwickeln mit diesen Daten spezielle Tarife (siehe ZEIT Nr. 46/15). Die Sparkassen Direkt-Versicherung prämiert jeden Monat den "besten Fahrer" und belohnt ihn mit einem kostenfreien Versicherungsschutz von einem Quartal. Auf der Webseite wird sogar eine anonymisierte Ehrentafel veröffentlicht mit der jeweiligen Gutschrift. Zum Beispiel: "Frau Sch. aus dem Weimarer Land, Prämie 233,96 €." Das spornt an. Wer sich überwachen lässt, spart Geld.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016.

Und was passiert mit den vielen Daten? Bei der Sparkasse Direkt heißt es dazu: "Die in Ihrem Auto einzubauende Telematikbox übermittelt während der Fahrt in einem Zeittakt von 20 Sekunden Informationen über die Bewegung Ihres Autos (Fahrtdaten). Ist die Zündung ausgeschaltet, werden einmal pro Stunde die Standortdaten an das Hosting Center der Telefónica Digital Instance Servers (IS) in London übermittelt."

In den Erklärungen ist etwas nebulös von zwei getrennten "Datenkreisen" die Rede. Zwar wird betont, dass das deutsche Datenschutzrecht gelte. Doch was die von Telefónica beauftragten Subunternehmen (unter anderem in London) mit den Daten genau machen, ist unklar. Dort gelten wiederum andere Datenschutzbestimmungen. Die Frage ist auch, wem die Daten letztlich gehören.

Versicherungen können mit der Technologie in Echtzeit überwachen, wer wann wohin fährt, wer wie häufig beschleunigt oder bremst, und daraus berechnen, wer einen besonders riskanten Fahrstil pflegt. Der japanische Autohersteller Subaru hat in Kooperation mit dem US-Versicherer Liberty Mutual Insurance eine App entwickelt, die diverse Verhaltensweisen des Fahrers analysiert und bereits während der Fahrt Tipps gibt, wie das Fahrverhalten optimiert werden kann. Subaru-Besitzer, die das Infotainment-System Starlink nutzen, können eine App herunterladen, die den Fahrer benachrichtigt, wenn er zu schnell beschleunigt oder bremst. Wer die Warnhinweise befolgt, bekommt bis zu 30 Prozent Rabatt auf seine Kfz-Versicherung.