Irgendwie kommt einem die Szene, die sich vergangenes Wochenende vor Blankenese abgespielt hat, bekannt vor: Sonnenschein, Elbufer, Schaulustige in Windjacken, Stullen, Ferngläser, Kameras. Die Kulisse: großes Schiff im Ufersand. Ein rot-blauer Koloss aus Stahl, schwer und unbeweglich wie ein gestrandeter Wal. Es sind Bilder einer ganz besonderen Touristenattraktion – eine, für die Hamburg wohl lieber nicht bekannt wäre. Schon gar nicht jetzt.

Anfang dieser Woche gab die Stadt das Programm für den diesjährigen Hamburger Hafengeburtstag bekannt: Die Feierlichkeiten dauern 2016 einen Tag länger, ein Kreuzfahrtschiff wird getauft, eine Million Besucher könnten kommen. Umso ärgerlicher ist es, dass nun schon zum zweiten Mal innerhalb eines Monats ein Schiff vor Hamburg in der Elbe feststeckt. Touristenmagnet hin oder her, havarierte Schiffe im Elbschlick sind keine gute Werbung für die Stadt und ihren Hafen.

Erst vor drei Wochen steckte der Containerfrachter Indian Ocean sechs Tage lang bei Wedel in der Elbe fest. Tausende Menschen strömten an die Ufer, um das 400 Meter lange Megaschiff zu bestaunen. Der Deich glich einem Volksfestplatz.

Dieses Mal heißt das Unglücksschiff Sandnes, ein Schüttgutfrachter, der Kohle, Streusalz oder Kies laden kann. 166 Meter lang, 24 Meter breit. Zwei Wochen lang haben die Arbeiter der Sietaswerft in Neuenfelde ihn gewartet. Doch kurz nachdem der Frachter wieder ausgelaufen war, um sich auf den Weg nach Norwegen zu machen, lief er auf Grund. Fünf Schlepper bugsierten das Schiff noch am Abend des gleichen Tages wieder in tieferes Fahrwasser, die Flut half.

Am Ende lief alles glimpflich ab. Auch die spektakulärere Bergung der Indian Ocean ging gut aus. Und doch bleiben Fragen: Warum schon wieder? Was ist da nur los?

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Die Antwort scheint unbefriedigend: Nichts Besonderes ist los. Auch wenn Aktivisten aller Lager nun versuchen, die Ereignisse in Richtung ihrer politischen Ziele zu interpretieren. Elbvertiefungsgegner (und die Lobbyisten des JadeWeserPorts) sind sicher, dass der Hamburger Hafen schlicht nicht für Großschiffe geeignet ist und diese lieber Wilhelmshaven ansteuern sollten. Die Befürworter hingegen sehen die Havarien als Zeichen, dass es höchste Zeit wird, den Fluss endlich auszubaggern. Wieder andere schieben dem Schlick und damit der Hamburger Port Authority, die für dessen Beseitigung sorgen sollte, die Schuld zu.

Nur: Die Diskussionen sind müßig. Die beiden Fälle sind weder vergleichbar noch spezifisch für Hamburg – und einen neuen Trend bilden die jüngsten Havarien noch lange nicht.