Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Wäscht man die Hände nur mit Wasser, dann ist warm tatsächlich besser als kalt. Insbesondere fettiger Schmutz löst sich in warmem Wasser besser, weil es mehr Energie enthält als kaltes und so schneller eine Fett-Wasser-Emulsion entsteht.

Richtig gelöst wird der Schmutz aber erst mit Seife, die eine Brücke zwischen den Fett- und den Wassermolekülen herstellt. Und wenn es nicht nur um Schmutz geht, sondern um krankheitserregende Bakterien, dann bringt reines Wasser überhaupt nichts, egal welche Temperatur es hat.

Das ergab ein Test der Universität Regensburg im Jahr 2010. Die Forscher schmierten ihren Probanden eine Bakterien-Suspension auf die Hände, dann ging’s ans Waschen – warm und kalt, mit und ohne Seife. Das Ergebnis: Ohne Seife nützte auch das heißeste Waschen nichts, die Bakterien blieben an der Haut haften. Als "Psychohygiene" bezeichnete der Studienleiter diese eher rituelle Art der Reinigung.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016.

Benutzten die Testpersonen dagegen Seife, dann beseitigte auch kaltes Wasser 99,9 Prozent der Bazillen. Allerdings mussten sie dabei gründlich vorgehen: 30 Sekunden lang, so schrieb es das Studienprotokoll vor, musste die Waschung dauern. Wohl eher eine praxisferne Bedingung, wie schon oberflächliche Beobachtungen auf öffentlichen Toiletten zeigen.

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