Wie lange braucht es, ein guter Lehrer zu werden? Ab wann kann der eigene Unterricht vor einer Klasse bestehen? Die Auswertung des Programms der Bildungsinitiative "Teach First", die der ZEIT vorab vorliegt, zeigt: nicht länger als sechs Monate. Nach dieser Vorbereitungsphase jedenfalls scheint man die pädagogischen Methoden besser parat zu haben als nach einem Lehramtsstudium.

Die sogenannten Fellows von Teach First haben nicht Lehramt, sondern etwa Philosophie, Jura oder Soziologie studiert. Zwei Jahre lang unterstützen sie als zusätzliche Lehrkräfte die Kollegien an verschiedenen Brennpunktschulen. Teach First wollte nun wissen, wie viel die Fellows während des Programms lernen, und gab bei der Uni Duisburg-Essen und der LMU München eine Studie in Auftrag. Bei Fragen wie "Wie baue ich eine Stunde auf?" oder "Wie reagiere ich auf Störungen?", die allesamt aus einer Vergleichsstudie zur Wirksamkeit der Lehrerausbildung stammten, schnitten die Teach-First-Fellows in drei von vier Antworten besser ab als Referendare der Sekundarstufe. Hermann Josef Abs, Erziehungswissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen, sieht den Grund für das Ergebnis "in der Positivauswahl" der Fellows, die schließlich alle ein Aufnahmeverfahren hinter sich haben. Es folgt die Vorbereitung für die Arbeit im Klassenzimmer in Workshops und Wochenendkursen. Das mache die Fellows offener für Veränderungen, sagt Abs. "Es geht darum, Verantwortung für die Schüler zu übernehmen." Vermittelt wird demnach vor allem Überzeugung. Und die zählt im Klassenzimmer mehr als jede zärtlich konstruierte Lehrformel. Erstaunlich schnell kann man laut Studie fachfremden, aber motivierten Absolventen alltagstaugliche Methoden für den Unterricht beibringen. Wenn sich daraus nichts lernen lässt!