Ein Instrument gegen Angst

Da liegt er nun danieder, der Saul. Dabei ist er gerade der erste König Israels geworden. Doch dann hat Gott ihn verstoßen. Außerdem nerven die Philister. Saul hat Ängste und Depressionen; ihm ist, als hätte der Herr einen bösen Geist geschickt. Seine Diener wissen Rat: Sie lassen nach einem Mann suchen, der die Zither zu spielen weiß. Sie finden den Sohn des Isai; der heißt David. Und er greift für Saul in die Saiten – die dunklen Wolken weichen, und "sooft nun ein Geist Gottes Saul überfiel, nahm David die Zither und spielte darauf. Dann fühlte sich Saul erleichtert, es ging ihm wieder gut, und der böse Geist wich von ihm." David wird bald als Bezwinger Goliaths zum Star und später zum König Israels erkoren – nachdem die Philister Saul zu Tode genervt haben. Musik, so lehrt schon die Bibel, kann heilen helfen; sie ist stärker als böse Geister. Rund 3.000 Jahre später wird dann die Zither selbst zum Star – im Krimi-Klassiker Der Dritte Mann beweist sie, dass ihr Ton die Gemüter nicht nur heilen, sondern auch in Spannung versetzen kann.

Dieser Text gehört zu ZEIT Doctor – dem Ratgeber, der hilft, gesund zu bleiben.

Von Botenstoffen und Balladen

"Music was my first love", singt John Miles 1976 – und ohne Musik könne er unmöglich leben. Das geht nicht nur ihm so: Für viele ist Musik von Kindesbeinen an bis ins Alter ein treuer Kumpan, eine Zeitmaschine in Hörweite, ein sicherer innerer Ort. Vielfach wurde nachgewiesen, dass unser Körper beim Musikhören verstärkt das Kuschelhormon Oxytocin ausschüttet und den Pegel des Stresshormons Kortisol im Blut senkt (was mit Johann Sebastian Bach genauso wie mit Metallica funktionieren kann). Chinesische Forscher wollen sogar Hinweise gefunden haben, dass Mozart Epilepsie lindern könnte. Musik wirkt, sie ist "medicofunktional": unsichtbare Medizin. Kürzlich haben englische Forscher dargelegt, dass die schönen Töne vor, während und nach Operationen schmerzlindernd wirken, sogar bei Vollnarkose. Musik ist Leben – und als ob das Leben selbst dies wüsste, verschont der Teufel Alzheimer das Langzeitgedächtnis weitgehend für Musik, sagen Max-Planck-Forscher. "Music was my first love. And it’ll be my last". Danke für die Lieder.

Chor der Herzen

Der Soldat fragte, ob er je wieder Schlagzeug spielen könne. Jetzt, wo doch sein Bein ab sei. "Ich helfe dir", sagte der Komponist und Pianist Arthur Bloom und gründete MusiCorps, eine Musiktherapiegruppe für verwundete US-Soldaten. Er wusste: Ein Instrument kann eine Waffe sein im Kampf gegen Krankheit. Wer musiziert, schenkt seinem Körper Halt, Takt und Harmonie. Forscher wissen, wie sehr sich das Immunsystem freut, wenn wir singen, denn es wird dadurch stärker. Das Gehirn jubelt. Das Herz-Kreislauf-System wird angeregt. Kinder, die singen, sind konzentrierter, fröhlicher und entwickeln sich sprachlich schneller. Wer singt, lebt stressfreier. Im Chor zu singen wirkt ähnlich wie Yoga. Musik ist so mächtig, dass bei Sängern im Chor die Herzen synchron schlagen. Musik ist der Takt des Lebens. Auch für die verwundeten Soldaten. Die Wounded Warriors geben regelmäßig Konzerte. Sogar im Madison Square Garden sind sie aufgetreten. "Wenn wir Musik machen", sagt Bloom, "klingt das nicht verletzt. Sondern nur nach guter Musik."