Tito Tettamanti ist Financier. Er lebt im Tessin. © Andreas Meier/Reuters

Schlüsselromane wollen als wahre Geschichte gelesen werden. Manchmal dienen sie dazu, mit jemandem oder etwas abzurechnen, ohne dass der Autor die Verantwortung für seine Aussagen übernehmen muss. Bad News von Bruno Ziauddin ist so ein Roman. Er ist eine Abrechnung mit der Weltwoche. Einer Zeitung, die nicht mehr jene ist, die ihr Ex-Mitarbeiter Ziauddin einst mit verantwortete.

Der Autor ist entsetzt über den Ruck nach rechts, den das Blatt machte; über die Entlassung der sieben Journalisten, die seiner Meinung nach gehen mussten, weil sie am weitesten links standen; über die These, dass "rechts das neue links" sei; oder über Aussagen wie: Die steigende Staatsquote sei der "Hautkrebs der Privatwirtschaft". Aber am meisten hadert er mit der Tatsache, dass es eine lesenswerte Kultur der Rechten gibt.

Ziauddin gehört zu der Gilde derjenigen, die mit Arroganz die "Diskurshoheit der Linken" beanspruchen. Solche Ansprüche sind mir als Liberaler fremd. Mir genügt, wenn alle sich Gehör verschaffen können. Alle eine Stimme haben. Und dazu gehört nun mal ein eigenes Medium. Deshalb habe ich damals mit einigen Freunden die Weltwoche-Be sitzerin Jean Frey AG übernommen – und mich dafür eingesetzt, dass Roger Köppel das Blatt übernimmt.

Darauf geht Ziauddin in seinem Roman freilich nicht ein. Er verpasst die Gelegenheit, das, was seinerzeit zur Übernahme der Weltwoche führte und die Schweizer Medienwelt nachhaltig prägte, zu analysieren – und aus seiner Sicht zu kritisieren.

Dieser Artikel stammt aus der Schweiz-Ausgabe der ZEIT Nr. 11 vom 03.03.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Als wir das Blatt kauften, taxierte uns Peter Bodenmann, ehemaliger Parteipräsident der SP und heutiger Weltwoche-Kolumnist, als eine Bande von alten sturen Liberalen, die ihr Geld verschwenden wollten. Da hat sich der Walliser Genosse verrechnet. Wir vertraten zu jener Zeit die Ansicht: Wir können die grassierende politische Korrektheit in den Schweizer Medien nicht mehr länger dulden. Der Wissenschaftler Norbert Bolz erklärt in seinen Büchern, wie die Herrschaft der Political Correctness in den Medien, aber auch in den Universitäten und in der Politik oder der Verwaltung die Meinungsfreiheit derjenigen erstickt, die sich in diesem Mainstream mit ihren Haltungen zunehmend einsam fühlten und manchmal sogar an ihren eigenen Ideen zu zweifeln begannen. Es war also höchste Zeit, dass auch jene eine Plattform erhielten, die der Schuldenwirtschaft, dem Staatsinterventionismus, dem Sozialstaat, der Klimapolitik, den Euro-Utopien oder dem Multi-Kulti mit Skepsis begegnen.

Anfang der nuller Jahre hatte sich ein sanftes, aber nicht weniger effektives Machtkartell aus Politikern, Bürokraten, Richtern, Verbänden, Intellektuellen, Medien und einigen Wirtschaftsführern etabliert. Das führte zur ständigen Bevormundung der Bürger mit Tausenden von Regeln und Gesetzen. Die Schweiz brauchte ein Oppositionsmagazin.

Und dank Roger Köppel, seiner Redaktion und seinen Autoren haben wir unser Ziel erreicht. Wir können unsere Ansichten und Weltanschauung verbreiten. Das Blatt hat das Schweizer Meinungskartell gesprengt und insofern eine Pionierarbeit geleistet für eine größere Meinungsvielfalt – und damit für mehr Demokratie.

Köppel und seinem Team gelang es sogar, die einst schwer defizitäre Weltwoche in die schwarzen Zahlen zu führen. Und bis heute starren alle Journalisten, Ziauddins Roman bestätigt dies, wie gebannt auf die Weltwoche. Sie ist verstörend und inspirierend anders. Wie ihr das gelang, das wäre eigentlich ein gutes Thema für ein kritisches, spannendes und nützliches Buch gewesen.

Nächste Woche in unsere Kolumne "Nord-Süd-Achse": Die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz