Ich möchte nur noch in Zungen sprechen. In poetischen Beschwörungen, in Zauberformeln, in Karl-May-Fantasien. Ich möchte die Märchen hinzuziehen, die grausamen, die schönen. Ich erinnere mich, wie ich einmal in Minsk einer alten gebeugten Frau, die poetischen Beschwörungen lauschen wollte, visuelles Lauschen in den Spiegelländern einer Realität, die Zeilen aus Froschkönig in ein Buch schrieb:

"Heinerich, der Wagen bricht!" – "Nein, Herr, der Wagen nicht. Es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in großen Schmerzen." Eisig war es damals in Minsk, kalt blies der Wind durch die großen Magistralen der nach ’45 komplett neu erbauten Stadt, einst von der deutschen Wehrmacht komplett zerstört. Den Menschen ging’s dort, so schien’s mir bei meinem Besuch, so gut und so schlecht wie überall auf der Welt ... Von Vorurteilen werden wir getrieben, dort der grausame Gevatter und dort das Märchen vom goldenen Topf.

Ich möchte nur noch in Zungen sprechen, in Karl-May-Fantasien, in Märchen, den grausamen und den schönen ... In Mainz neulich sollte ich Auskunft geben über meine Heimat. Kein Kommentar, sagte ich, außer vielleicht diesem, inspiriert von einer Straße aus Schließfächern auf dem Bahnhof Mainz: in einem Schließfach wohnen und nur ab und an von innen klopfen, ach wäre man doch nur ein Zwerg. Nun gibt es aber große Schließfächer und kleine Schließfächer – unterschiedlich die BEMÜNZUNG der Schließfachschlitze. In einem großen teuren Schließfach können zwei Zwerge wohnen oder auch nur ein dicker ... Die zwei würden sich, weil irgendwann entkräftet durch diese endlose KLOPFEREI, die, warum auch immer, nicht mehr erhört wird!, gegenseitig auffressen und wären dann ein dicker Zwerg, oder so ähnlich. Ist das der Kapitalismus, vor dem mich meine Lehrer als Kind einst warnten ...?

Und dann doch die Spiegelländer der Realität: Sachsen liegt doch in Deutschland, oder irre ich mich? Wollen wir jetzt wieder mit der Kleinstaaterei anfangen? Oder wollen wir von Fritz Bauer reden?

Heinerich, der Wagen bricht!