Nach einem Durchmarsch am Super Tuesday wird Donald Trump wohl nicht mehr zu stoppen sein. Hierzulande darf die AfD am 13. März mit zweistelligen Gewinnen rechnen. Was ist los im Westen, wo die Ränder seit 1945 nur gelärmt, nicht gesiegt haben? Und: Sind Trump und die Euro-Populisten womöglich das gruselig verzerrte Spiegelbild von Obama und Merkel? Eine absurde Vorstellung: unsere liberalen Regenten auf derselben Bühne mit Blut-und-Boden-Böslingen wie der ungarischen Jobbik und der belgischen Vlaams Belang?

Der Populismus ist ein schwammig Ding. Im Spektrum tummeln sich Hartlinke wie die spanische Podemos und die griechische Syriza. Sodann die britische Ukip (antieuropäisch) und die italienische Lega Nord (anti-Rom), aber beide demokratisch. Was wäre der gemeinsame Nenner? Was hätte der mit den freundlichen Politikern zu tun, die in Amerika und Kerneuropa regieren?

Der anschwellende Populismus, der von links bis rechts reicht, gruppiert sich um einen Kern: Abschottung und defensiver Nationalismus vs. Öffnung und Globalisierung. Auch wenn ein Ozean zwischen Trump und seinen EU-Kumpanen liegt, speisen sie sich aus den gleichen Wurzeln: dem Ressentiment gegen "die da oben", gegen Freihandel, Fremde, Flüchtlinge und Billigproduzenten. Was dem einen sein Mexikaner, ist dem anderen sein Muslim. Sie wollen Mauern hochziehen, die den "kleinen Mann" vor Job- und Statusverlust schützen. Die Verheißung ist zugleich nationalistisch und "links". Die AfD will Einkommenshilfen für Geringverdiener, Trump will eine Reichensteuer.

Einst hatte der "kleine Mann" seine Partei: die SPD hier, die Demokraten in den USA. Sie haben aufgepasst, dass er nicht vom Wagen fiel; sie haben seine Stimme verstärkt, seine Interessen legitimiert. Die heutige SPD aber kann sich zwischen Kernklientel und Postmoderne (Genderpolitik, Diversität, offene Grenzen) nicht entscheiden; ergo Gabriels Schlingerkurs im 25-Prozent-Ghetto. Die Kanzlerin, die die SPD immer kleiner gemacht hat, bietet erst recht keinen Halt. Sie hat "keinen Plan B" für die Flüchtlinge; misslinge ihr die Europäisierung, "muss ich weitermachen".

Die US-Demokraten haben einst Nord und Süd, Arbeiter und Intelligenz, Einheimische und Einwanderer, Nationalisten und Weltbürger im selben Zelt versammelt. In dem hausen jetzt ethnische und sexuelle Minderheiten, die Hochgebildeten und Neureichen der Finanz- und Start-up-Welt. Derweil sind die Republikaner, die einst "My Street" und Wall Street vereinten, ins Evangelikale und Marktliberale gerutscht.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016.

Kleiner Mann, was nun?, fragte Hans Fallada 1932, kurz vor dem Sieg der Nationalsozialisten. Heute fährt der auf Trump, den Mussolini aus Manhattan, ab, der alles verspricht und nichts halten kann. Oder auf die AfD. Das ist das Dumme an der Demokratie: Die Leute, die ihre Heimat in den Volksparteien verloren haben, fühlen sich verraten und tragen ihre Stimmen zu jenen "Start-ups", die in die Marktlücke vorgestoßen sind.

Sollten die Etablierten mit den populistischen Wölfen heulen? Nein. Merkel-Union und Obama-Demokraten müssten nur zurück in die Mitte, wo sie die Deserteure wieder einfangen, indem sie deren legitime Bedürfnisse aufnehmen, statt sie volkspädagogisch wegzutherapieren. Umso einfacher wird es sein, die Extremisten zu isolieren.