Die FHs brauchen dringend neue Professoren, sagt Bernd Reissert.

Die Karriere ist für viele Nachwuchswissenschaftler an den Universitäten oft beendet, bevor sie begonnen hat: Nur ein winziger Teil der Postdoktoranden hat eine Chance auf eine Professur an einer Uni.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016.

Die meisten übersehen dabei, dass von den bestehenden Professuren nur 53 Prozent Uni-Professuren sind. 41 Prozent der Professoren lehren und forschen an Fachhochschulen – diese Stellen werden oft vergessen, weil sie den Nachwuchswissenschaftlern nicht unmittelbar offenstehen; neben einem Doktortitel müssen Bewerber drei Jahre Berufstätigkeit außerhalb der Hochschule vorweisen. Das bedeutet aber auch: Fachhochschulen bieten Nachwuchswissenschaftlern Alternativen zu verstopften universitären Karrierepfaden, wenn sie bereit sind, eine Zeit lang außerhalb der Wissenschaft zu arbeiten.

Die Möglichkeit, nach einer Phase in der Praxis auf einer FH-Professur wieder in die Wissenschaft zurückzukehren, ist einem großen Teil der Nachwuchswissenschaftler nicht bewusst. Das ist umso erstaunlicher, da Fachhochschulen in vielen Gebieten dringend nach Personal suchen. Notwendig ist deshalb eine Informationskampagne von Bund und Ländern, die den Weg auf eine FH-Professur bekannter macht. Auch mehr gemeinsame Promotionskollegs von Unis und FHs könnten dafür sorgen.

Auch brauchen wir ein Programm, das Nachwuchswissenschaftlern die Rückkehr in die Wissenschaft dadurch erleichtert, dass sie während ihrer Zeit im Unternehmen an einer Fachhochschule lehren und forschen – ein bis zwei Tage pro Woche. Idealerweise hängt die Teilzeit-Tätigkeit an der Hochschule mit dem Hauptjob zusammen und ist deshalb im Interesse des Arbeitgebers.

Ob solche Programme nun Teilzeit-Gastdozenturen, Shared Professorships oder Nachwuchsprofessuren heißen: Die Förderung solcher Modelle sollte Teil des geplanten bundesweiten Pakts für den wissenschaftlichen Nachwuchs werden. Sie würde zeigen, dass der Weg auf eine Professur an einer Fachhochschule kein Nebenweg ist, sondern ein qualitativ und quantitativ bedeutsames Element einer Gesamtstrategie, die verstopfte Karrierewege öffnet und den Fachhochschulen nützt – und damit dem gesamten Wissenschaftsstandort Deutschland.

In unserer Reihe "Zwischenfrage" beantworten Experten aus Politik und Wissenschaft Fragen zu Schule und Hochschule.