Er wuchs in Armut auf, sein Vater unterrichtete ihn nach Kräften. Mit zehn Jahren gab der intelligente Junge Nachhilfe im Rechnen, doch drei Jahre später musste er aus Geldmangel das Gymnasium verlassen. Handwerkslehren scheiterten an seiner Sehschwäche. So landete er als Kontorist und Vertreter bei einem Laternenfabrikanten.

Dann wurde er Theaterdiener, schließlich Sekretär und Kassierer an einer renommierten Bühne. Mit Gedichten, Freiheitshymnen und einem Libretto blieb der Autodidakt jedoch erfolglos. Ein siebenbändiges Theaterlexikon brachte ihm dagegen Anerkennung.

Die demokratische Aufbruchsstimmung der Zeit zog ihn in die Politik. Aus dem "behaglichen Bierpolitiker", der auf patriotischen Festen feurige Reden hielt, wurde ein organisatorisch begabter, geschickt argumentierender und populärer Vertreter liberaler Ideen. Im Parlament profilierte er sich als Führer der gemäßigten Demokraten. Pragmatisch forderte er, die Republik auf gesetzlichem Wege einzuführen, und propagierte ein freies Europa gleichberechtigter Staaten. Enttäuscht von der politischen Entwicklung, fuhr er mit einer Solidaritätsadresse seiner Fraktion zu Aufständischen, kämpfte in einem ihrer Elitekorps und wurde nach der Niederlage verhaftet. Ein Kriegsgericht verurteilte ihn als Vertreter des revolutionären Prinzips zum Tode. Nach seiner Hinrichtung brach allgemeine Empörung aus, er wurde zum Märtyrer der Freiheit und zum Symbol des Scheiterns demokratischer Hoffnungen. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 10:

Der ehemalige Profiboxer Vitali Klitschko (geb. 1971) holte 1999 den Weltmeistertitel im Schwergewicht. Seit knapp zwei Jahren als Bürgermeister von Kiew im Amt, übernahm er im August 2015 den Vorsitz der Partei Block Petro Poroschenko. Er lebt in Hamburg und Kiew