Mal ehrlich: Wann fühlt sich der Taxikunde noch als König? Wann lohnt es sich wirklich, fremden Fahrstil und Musikgeschmack zu ertragen und dafür noch zu bezahlen? Ganz klar: dann, wenn der Zug am Bahnhof Dammtor gleich fährt, man viel zu spät und panisch auf dem Rücksitz kauert, einem beim Anblick des Staus auf der Edmund-Siemers-Allee das Herz in die Hose rutscht – und der Fahrer auf die Busspur schwenkt und beschleunigt: fast lane at its best!

Die Busspur ist mit zum wichtigsten Vorteil des Taxifahrens in der City geworden. Manche lassen deshalb sogar das eigene Auto stehen. Umso größer die Enttäuschung, wenn der Fahrer die Schnellspur nicht nimmt, denn das gehe nur sonntags oder wenn der Fahrgast es nachweislich eilig habe, etwa bei Flügen ab der Kategorie Business. Gern diskutiert wird auch die Frage, ob Taxis ohne Fahrgast die Busspur nehmen dürfen, nur damit die Fahrer schnell an ihre Mittagswurst kommen.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Um damit anzufangen: Ja! Auch ohne Fahrgast darf ein Taxi Busspur fahren, weil der Gesetzgeber annimmt, dass es meistens nicht um die Wurst geht, sondern um den Fahrgast, also darum, diesen abzuholen. Aber: Taxifahrer dürfen nicht auf jede Busspur, nur auf solche mit dem Zusatzschild "Taxi frei". Und sie müssen sich dort verdammt genau an die Regeln halten: dürfen die Spur nicht verlassen, solange die Linie durchgezogen ist. Müssen warten, wenn vor ihnen ein Bus trödelt. Und sich natürlich an die Busampeln halten. Vor dem Bahnhof Dammtor gibt es am Ende der fast lane sogar eine eigene für Taxis. Und steht die auf "Stopp", kann es passieren, dass der ganze Verkehr, den man eben noch triumphierend überholte, wieder an einem vorbeirauscht.