Von Marie Antoinette, so heißt es, ging eine Magie aus, mit der die französische Königin selbst Feinde für sich gewinnen konnte. Gut möglich, dass dazu ihre berühmte schimmernde Haut beitrug, über die ihr Bewunderer Prince de Ligne sagte, sie sei rein wie ihre Seele. Die Malerin Elisabeth Vigée beschrieb diesen Teint als so durchscheinend, dass kein Gemälde ihn in angemessener Weise wiedergeben könne. Womit Marie Antoinette ihre Zeitgenossen bezauberte, gilt noch heute als weibliches Schönheitsideal: Nicht nur möglichst glatt und ebenmäßig soll unsere Haut aussehen, sondern auch fein schimmernd, einen Hauch transparent und rosig wie der Teint einer jungen Frau.

Dieser Text gehört zu ZEIT Doctor – dem neuen Ratgeber, der hilft, gesund zu bleiben.

Als "Glow" wird dieses begehrte Strahlen bezeichnet. Wenig verwunderlich, dass die Kosmetikindustrie zahlreiche Produkte anbietet, die das sanfte Leuchten der Haut auch Frauen jenseits der 18 versprechen: Peeling, Scrub oder vornehm auch Exfoliation werden sie genannt. Und der gute alte Luffa-Schwamm erhält mittlerweile Konkurrenz: von oszillierenden, elektronischen Bürstchen. Um den Schimmer freizulegen, muss die obere Hautschicht entfernt werden, was die Zellerneuerung anregen soll. Wie bei manch anderen Anti-Aging-Mitteln sind kleine Verschönerungen durchaus machbar – wenn man einige Dinge beherzigt.

Die menschliche Haut besteht aus der Dermis, in der zahlreiche Kollagen- und Elastinfasern lagern, die sie fest und elastisch machen. Darüber legte sich im Laufe der Evolution eine Schutzschicht, die Epidermis. Sie beschert der menschlichen Haut eine geschmeidige, trockene Oberfläche, anders als etwa Schlangen und Lurche sie besitzen. Alle vier bis sechs Wochen erneuert sich unsere Epidermis. Dabei bilden sich an der Basis Zellen, die langsam nach oben wandern. Außen angekommen, sterben sie ab und verhornen. So versiegeln sie die Haut, schützen sie vor Fremdstoffen und Austrocknung. Allmählich fallen die obersten Zellen ab. Auch wenn uns unsere Haut mit ihren Fältchen und Flecken im Spiegel altvertraut erscheint – so blicken wir doch immer auf eine neue Hülle.

Bei junger Haut ist die Epidermis durchscheinend, das Licht kann zum Teil passieren und wird erst von der gewellten Oberfläche der Dermis reflektiert. So entstehen Farbe und charakteristisches Strahlen eines "frischen Teints". Verlangsamt sich jedoch die Zellerneuerung, blättern die verhornten Zellen nicht mehr so gut ab. Die Oberfläche wird rauer, das Licht zerstreut, die Haut wirkt stumpf und fahl. "Ältere, aber auch sehr trockene oder fettige Haut verliert dadurch ihre Strahlkraft", sagt Martina Kerscher, Professorin für Kosmetikwissenschaft an der Universität Hamburg.

Dieser Artikel gehört zu ZEIT Doctor aus der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016.

Ein Peeling soll diesem Zustand entgegenwirken. Je nach Methode wird dabei nicht nur die Hautoberfläche poliert, eine mehr oder weniger starke Verletzung der Epidermis soll Verjüngungsprozesse in tieferen Schichten anregen. Eindeutig belegt ist der Effekt nur bei chemischen Peelings, die ein spezialisierter Arzt durchführen sollte. Als besonders effektiv gilt die Behandlung mit Phenol, das aus Steinkohleteer gewonnen wird. Es dringt sogar bis in die Dermis ein und zerstört die obersten Hautschichten radikal. Die Patienten müssen allerdings brennende Schmerzen ertragen und ähneln nach der Behandlung zunächst Verbrennungsopfern. Einige Wochen später tritt der erhoffte Effekt ein. "Die Frauen sehen danach rund zwanzig Jahre jünger aus", sagt Nanna Schürer, Professorin für Dermatologie an der Universität Osnabrück.