"Noch ist die Welt in Ordnung." Das sagte uns ein Manager auf die Frage, wie er die wirtschaftliche Lage in der Schweiz einschätze. Er meint: Bei den Faktoren, die er als Firmenchef kalkulieren könne, schneide das Land noch gut ab. Aber gehe es um die politische Stabilität, da hege er deutliche Zweifel.

Der Mann ist mit dieser Meinung nicht allein. Das zeigte sich, als wir für die Studie Haben Unternehmen eine Heimat? mit 25 CEOs, deren Firmen ihren Hauptsitz in der Schweiz haben, über den Standort sprachen. In den Gesprächen wurde klar: Die Schweiz ist für viele zwar noch immer ein Ideal. Aber "die Wertepfeiler beginnen zu rosten". Die Unternehmer sorgen sich um das ungeklärte und damit unsichere Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union. Sie fürchten den Mangel an Fachkräften und Talenten – und sie haben mit dem Franken-Euro-Wechselkurs zu kämpfen.

Es stellt sich also die Frage: Was können Unternehmen und Manager in der Schweiz tun, damit sich ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an ihrem Standort nicht verschlechtern? Welchen Beitrag können sie zur Stabilität einer Demokratie leisten?

Die Antwort lautet: Mischt euch ein! Seid Citoyens! Auf eine zivilgesellschaftliche Bewegung, wie sie sich bei der Durchsetzungsinitiative entwickelt hat, kann sich die Wirtschaftselite nicht einfach verlassen.

Von der politischen Kultur in der Schweiz sind besonders die ausländischen Manager angetan: Sie bezeichnen das politische System ihrer Wahlheimat als einen "großen, positiven Faktor" für das Land. "Diese Urdemokratie: Jeder fühlt sich irgendwo verantwortlich", sagte einer. Das wirke bis in die Unternehmen hinein. Kritischer urteilen die Firmenchefs mit einem Schweizer Pass. Heute sei es schwieriger abzuschätzen, wie der Staat die Wirtschaft reguliere. Damit schwinde die Planungssicherheit, die für die Unternehmen so wichtig sei. Die Entscheide auf allen politischen Ebenen seien – die Rechtsprechung eingeschlossen – unvorhersehbarer geworden.

Dieser Artikel stammt aus der Schweiz-Ausgabe der ZEIT Nr. 11 vom 03.03.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Kopfzerbrechen bereitet den Wirtschaftsführern zudem die zunehmende Zahl an Volksinitiativen, die auf die Standortqualitäten der Schweiz zielen. Aber auch vermeintlich wirtschaftsfreundliche Volksbegehren sorgen für Unsicherheit. Zum Beispiel die Initiative "Ja zum Schutz der Privatsphäre": Sie lasse die Unternehmen im Ungewissen, ob das Bankgeheimnis im Inland weiterhin Bestand haben werde – oder nicht. Wer für den Erfolg einer Firma verantwortlich ist, müsse sich bei solchen Initiativen ständig fragen: "Was bedeutet sie für unser Unternehmen? Was bedeutet sie für die Schweiz?"

So sind die Wirtschaftskreise zusehend verunsichert, wie mit den weitreichenden Volksrechten umgegangen werden soll. Nur ein Schweizer Manager sprach von "stabilen, verlässlichen Rahmenbedingungen", um sogleich warnend anzufügen: "Wenn wir an dieser Schraube drehen, dann machen wir einen großen Fehler." Er brachte es auf den Punkt, was sich die Wirtschaft von der Politik wünscht: "Das Wichtigste ist, dass die in Bern Entscheide fällen und dabei bleiben. Auf alles andere stellen wir uns dann ein."

Also, was tun?

"Der Aufschwung beginnt im Kopf." So lautete ein Slogan in den 1990er Jahren, als die Schweizer Wirtschaft stagnierte. Umgemünzt auf heute müsste er lauten: Das Engagement beginnt im Kopf.