Eine Familie bei einem Spaziergang an der Ems: Welches Bild haben die Generationen in Deutschland von Familie, Gleichberechtigung, Arbeit und Karriere und Selbstverwirklichung? © Ingo Wagner/dpa

DIE ZEIT: Frühstück ist fertig, greifen Sie zu!

Alexa Hennig von Lange: Danke schön. Darf ich jemandem was anbieten?

ZEIT: Wir starten heute mit einem Frühstück, weil unsere Vermächtnis-Studie ergeben hat, dass allen Generationen gemeinsame Mahlzeiten sehr wichtig sind. Frau von Lange, Sie haben fünf Kinder. Wie läuft der Morgen bei Ihnen ab?

Von Lange: Bei meinem ersten Kind habe ich noch versucht, sämtliche Rituale weiterzugeben, die ich von zu Hause kannte. Je mehr Kinder dazukamen, desto kniffliger wurde das. Mittlerweile sagen die großen Kinder zu den kleineren: Setz dich ordentlich hin. Oder: Iss auf, damit du groß und stark wirst.

Edzard Reuter: Das ist doch ein gutes Beispiel dafür, dass man so was aus der Gruppe heraus lernt. So geht das am besten!

ZEIT: Und wer kocht bei Ihnen den Kaffee, wer deckt den Esstisch?

Von Lange: In der Küche mache ich am liebsten alles allein, ich habe meine ganz spezielle Ordnung.

Iris Berben: Ja! Genauso will ich es auch.

Von Lange: Wenn mein Mann mit den Kindern Kuchen backt, verdünnisiere ich mich. Ich möchte ja niemandem den Spaß nehmen, nur weil ich anders mit Eiern umgehe als mein Mann.

Berben: Wie geht man denn mit Eiern um?

Von Lange: Ich habe von meiner Oma übernommen, die Hände zu waschen, wenn ich Eier angefasst habe. Wegen der ganzen Bakterien. Mein Mann kommt hingegen vom Bauernhof, da wurden die Eier mit dem Finger ausgestrichen, um auch noch das letzte Fitzelchen rauszuholen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016.

ZEIT: Aber am Esstisch sitzen Sie alle gemeinsam?

Von Lange: In der Fantasie finde ich das schön. Aber meine 17-jährige Tochter ernährt sich gerade ayurvedisch, mein großer Sohn liebt Tiefkühlpizza, die Kleinen bekommen ihre Spaghetti. Und sobald mein Mann und ich uns mal unterhalten, fliegt sowieso alles auseinander. Deshalb ist die gemeinsame Mahlzeit bei uns nicht überbewertet.

Berben: Mein Frühstück ist sehr weit weg von dem, was Alexa sagt. Ich werde morgens von meinem Fahrer abgeholt und fahre zum Dreh. Davor trinke ich nur einen Espresso. Ich bin übrigens auch gern allein, wenn ich drehe. Ich bitte dann meinen Partner, in seine Wohnung zu gehen. Wenn wir gemeinsam frühstücken, decke ich aber alles schön ein und lasse ihn nichts machen. Ich bin eine Despotin in der Küche. So!

ZEIT: Sie waren als Schülerin auf drei strengen Internaten und wurden von allen Schulen geschmissen. Haben Sie Widerstand gegen Tischregeln entwickelt?

Berben: Nein, die sind mir in Leib und Seele übergegangen. Der echte Bruch kam mit den 68ern, ich habe meiner Mutter nichts erspart, Drogen, mit 20 schwanger. Aber das hatte nichts mit Manieren zu tun. Die waren mir immer wichtig.

ZEIT: Lea-Sophie Cramer, Sie haben vor vier Monaten ein Kind bekommen. Kommen Sie noch zum Essen?

Lea-Sophie Cramer: Es ist eine große Umstellung. Früher haben mein Freund und ich sehr egoistisch gelebt. Wir lieben unsere Arbeit und haben immer bis nachts gearbeitet, auch am Wochenende. Abends waren wir was essen, im Kühlschrank war nie mehr als Milch für den Kaffee. Jetzt ist da ein kleines Wesen, das ein paar Regelmäßigkeiten braucht.

ZEIT: Welche denn?

Cramer: Wir haben ein Au-pair-Mädchen, tagsüber kommt sie mit dem Kleinen mit in mein Büro. Um sieben mache ich Feierabend, so früh wie noch nie in meinem Leben. Dann essen wir zu Hause zusammen zu Abend, was für mich auch neu ist. Wir, das sind das Au-pair, das Baby und ich. Mein Freund ist Unternehmensberater, er ist unter der Woche häufig nicht da.

ZEIT: Wie reagiert Ihr Umfeld darauf?

Cramer: Meine Großmutter fragt mich oft: Bist du jetzt eine gute Hausfrau? Da sage ich: Nein, Omi, meinen Haushalt habe ich outgesourct. Ich erkläre dann immer noch mal, was das heißt: Um meinen Haushalt kümmern sich andere. Kochen konnte ich noch nie gut, aber trotzdem kann ich eine gute Mutter sein. Meine Kollegen finden es lässig, dass ich mit dem Baby ins Büro komme und nebenher die Meetings mache. Die wissen aber auch nicht, wie viel Aufwand das ist.