Das waren noch Zeiten, als Restaurants einfach so eröffnet wurden, ohne Party und PR-Kampagne. Axel Henkel tat das vor einem Vierteljahrhundert, und jetzt tut er es wieder. Damals machte der Koch gemeinsam mit Werner Henssler sein Zeik zum angesagtesten Bistro der Stadt. Heute versucht er, den großen Namen neu zu beleben.

Zeik steht für Kiez – ein Wortspiel, das wenig erklärt. Denn vom wilden Hamburg ist der neue Standort noch weiter entfernt als der alte in den Grindelhochhäusern. Man findet das kleine Lokal in einem Winterhuder Eckhaus, wo bislang italienisch gekocht wurde. Zwei Kellnerinnen stellen sich feierlich mit Handschlag und Vornamen vor. Viel los ist nicht, selbst am Freitagabend; die Mundpropaganda braucht Zeit. Der Chef plaudert angeregt mit Bekannten, für die übrigen Gäste hat er nicht mal einen Gruß. Ja, auch das waren die alten Zeiten, als Charme bei Köchen noch eine unverlangte Zusatzqualifikation war.

Henkels Kochkunst stand hoch im Ansehen, als das erste Zeik abrupt schloss und er für mehr als zehn Jahre aus der Stadt verschwand. Er ist seinem Stil treu geblieben, der im Grunde ein Stilmix ist: ein bisschen bürgerlich, ein bisschen französisch und einige Tupfer Fusion. Die Karte lässt vermuten, dass er allein kocht: viele kalte Gerichte, viel aromatisierte Butter anstelle der Saucen.

Wer sich gern aufwändig bekochen lässt, wird staunen über einen Hauptgang wie die Wildwassergarnelen mit Chili, Knoblauch, Ingwer und sonst so gut wie nichts. Aber es sind eben erstklassige, exakt gegrillte Garnelen, wie auch das kaum gewürzte Kalbstatar mit Kaviar und einer Limetten-Crème-frâiche von den gut ausgesuchten Produkten lebt. Kompletter wirkt der Knuspersalat vom Maishuhn mit einem fein abgestimmtem Sesamdressing. Für den Knuspereffekt sorgt die Hühnerhaut, die offenbar in feinen Streifen frittiert worden ist. Vor zwanzig Jahren hätte das sicher Eindruck gemacht.

Axel Henkel stand nie im Ruf, ein avantgardistischer Koch zu sein. Gut für ihn, dass andere diese Stelle ausfüllten: Die Hamburger, die so etwas früher suchten, fanden bequem Platz im Le Canard, das man schätzte für seine Präzision und Vielseitigkeit, mit der es seinen teils prominenten Gästen ihre Sonderwünsche erfüllte.

Zwar nicht als Avantgarde-Mitglied, aber doch als Improvisationstalent zeigt sich Henkel, als die Testertochter nach Spaghetti verlangt, die nicht auf der Karte stehen. Sie kommen so perfekt abgeschmeckt, dass dem Kind von der Portion wenig bleibt.

Vielleicht wirkt von den früheren Pächtern her noch ein italienischer Genius Loci: Er würde auch das prächtige Tiramisù erklären und die Gyoza, die wie Ravioli schmecken. Das Zeik gäbe eine gute Trattoria ab. Nur für den leutseligen Padrone müsste Henkel noch üben.

Zeik, Sierichstraße 112, Winterhude. Tel. 46 65 35 31, www.zeik-hh.de. Geöffnet dienstags bis samstags von 17–22 Uhr, sonntags von 12–21 Uhr. Hauptgerichte um 33 Euro