Bei uns gilt das "Stille-Helden-Prinzip". Dieser Job ist nichts für große Egos. (Johannes Wildegger)

Um ehrlich zu sein, war die Fernsehserie "Homeland" ein Grund, warum ich mich beim BND beworben habe. Ich bewunderte diese Agentin, die mehr weiß als andere und ständig spannende Dienstreisen in den Nahen Osten macht. Wenn nur ein bisschen was davon wahr ist, dachte ich, ist es einen Versuch wert. (Jennifer Reiter)

Meine Mutter weiß bis heute nicht, wo ich arbeite. Das würde ihr schwaches Herz nicht aushalten. (Manuel Plissen)

An einem sonnigen Februartag sitzen im Berliner Besucherzentrum des Bundesnachrichtendienstes vier Spione um einen Konferenztisch.

Johannes Wildegger, blonde, zurückgegelte Haare, Hornbrille, Sinologe. Jennifer Reiter, dunkelblonde Locken, Islamwissenschaftlerin. Lea Minge, schwarzer Schal, geflochtene braune Haare. Und Sven Schulte, groß und eloquent, aus dem Leitungsstab. Alle gehören zur jüngeren Generation des Dienstes. Dazu Manuel Plissen, ein bulliger Mann, dem man ansieht, dass er mal Soldat war. Plissen ist von der Sicherheit. Seine Aufgabe ist es, aufzupassen, dass von den anderen niemand etwas sagt, was nicht in der Zeitung stehen soll.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 10.3.2016.

Spion werden, Spion sein. Wie läuft die Bewerbung? Und wie läuft ein Berufseinstieg beim Geheimdienst? Die ZEIT hat die gefragt, die es wissen müssen: Deutschlands Agenten. Im Besucherzentrum, kurz am Telefon – nie per E-Mail. Vieles von dem, was sie erzählen, ist nicht nachprüfbar.

Nach meiner Bewerbung bekam ich Post: Darin stand eine Adresse. Eine Berliner Altbauwohnung. Ich bin hingegangen und habe geklingelt, so wie es in dem Brief stand. Niemand öffnete. Keine Ahnung, ob das der erste Test war. Ich habe gewartet. Nach zehn Minuten ging die Tür auf, und es gab die ersten Prüfungen. Übersetzen Deutsch–Arabisch, Arabisch–Deutsch, dann Dolmetschen einer Rede von Mahmud Abbas vor der UN-Generalversammlung. (Philipp Reis, Islamwissenschaftler, höherer Dienst)

Danach gab es ein Assessment-Center. Englisch-Test, Intelligenztest, Gruppendiskussion und eine Auswerteaufgabe. Ich bekam einen dicken Stapel Papier. Es ging um einen Anschlag auf ein arabisches Ölfeld, Interviews, einen Artikel der BBC, Propagandamaterial, Satellitenbilder, einzelne Informationsschnipsel. Nach zwei Stunden musste ich einen Bericht abliefern. In diesem Moment dachte ich: Diesen Job will ich haben. (Jennifer Reiter)

Im vergangenen Jahr hat der Nachrichtendienst 225 neue Stellen für die Bereiche "Terrorismus" und "illegale Migration" geschaffen. Die Mitarbeiter sollen helfen, Terrorzellen auszuheben und mögliche Terroristen in deutschen Flüchtlingsheimen aufzuspüren. Marianne Heinrich soll diese Menschen finden.

Heinrich, eine Dame in Kostüm und Perlenkette, steht im dritten Gang rechts auf der "bonding"-Jobmesse in Karlsruhe und buhlt mit Porsche, Bosch oder Microsoft um die Aufmerksamkeit der Studenten. Sie wissen, die Besten sind schwer zu kriegen. Heinrich hat nur Bleistifte in verschiedenen Farben, Kugelschreiber und Broschüren dabei, auf dem Aufsteller hinter ihr steht: "Einzigartig. Vielseitig. Geheim." Sie sucht heute Nachwuchs für die technischen Abteilungen. Informatiker, Physiker, Elektrotechniker, vielleicht einen Mathematiker für das Kryptografen-Team.

"Der ideale Bewerber spricht mehrere Fremdsprachen, kann ausgezeichnet programmieren und hat Erfahrung mit Auswertesystemen und Datenbanken", sagt Heinrich. "Wir suchen Leute, die auch bei Google arbeiten könnten." Und das ist eben das Problem.