Wenn amerikanische Präsidentschaftskandidaten zum TV-Duell zusammenkommen, ist der Gastgeber oft eine Universität. Studenten in den USA engagieren sich – vermittelt von der Hochschule – häufig in sozialen Projekten in der Nachbarschaft. Die US-Unis sind Big Player in Sport und Kultur, wichtige Weiterbildungseinrichtungen, Ideenschmieden für Start-ups. Mit Forschung und Lehre, den beiden klassischen Aufgaben der Universität, hat all das wenig zu tun. Als third mission werden diese Aktivitäten deshalb bezeichnet.

Deutsche Hochschulen haben diese "dritte Mission" bisher nur zögerlich für sich entdeckt. Das soll sich ändern. Wie die ZEIT erfahren hat, verhandeln Bund und Länder nicht nur über die Fortführung des Exzellenzwettbewerbs, sondern auch über eine weitere Förderinitiative. Unter dem Titel "Innovative Hochschule" wollen die Wissenschaftsminister Unternehmungen belohnen, mit denen Hochschulen ihre Wissensschätze neuen Zielgruppen zugänglich machen: Firmen oder Schulen, Bürgerinitiativen oder Nachbarn.

Ganz neu ist die Idee auch hierzulande nicht. Jede Universität betreibt heute Technologietransfer, Fachhochschulen sowieso. Es gibt Vorlesungen für Kinder und Seminare für Rentner. Und als im vergangenen Sommer die Flüchtlinge kamen, erkannten die Universitäten sofort ihre Verantwortung.

Die neue Förderinitiative soll jetzt dabei helfen, dass aus diesem Sammelsurium eine "dritte Mission" wird. Der Wettbewerb soll, so ist zu vernehmen, besonders den Fachhochschulen zugutekommen, die bei der Exzellenzinitiative leer ausgegangen waren. Auf Anfrage bestätigt Bildungsministerin Johanna Wanka die Pläne: "Ich möchte eine weitere Möglichkeit zur Förderung der Leistung von Hochschulen entwickeln." Die Rede ist von mehreren Hundert Millionen Euro vom Bund über zehn Jahre und möglicherweise zusätzlichem Geld von den Ländern. Noch beraten die Staatssekretäre von Bund und Ländern.

Auch zur Exzellenzinitiative gibt es Neuigkeiten. Die Präsidenten von Universitäten und Fachhochschulen wurden von der Nixdorf-Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für den Hochschulbarometer, eine jährliche Umfrage unter allen Hochschulführungen, befragt. Die Ergebnisse liegen der ZEIT vorab vor. Erste Erkenntnis: Fast alle Rektoren outen sich als Fan der "ExIni", egal, ob sie bislang von ihr profitierten (100 Prozent) oder nicht (Unis: 82 Prozent, Fachhochschulen 65 Prozent).

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 10.3.2016.

Zu denken geben sollten den Wissenschaftspolitikern zwei andere Umfrageergebnisse. Fragt man die Rektoren der bislang erfolgreichen Universitäten nach ihren Wünschen, antworten 60 Prozent: weniger Anträge und eine stärker an vorher festgelegten Leistungskriterien ausgerichtete Förderung. Die mit der Evaluation der "ExIni" beauftragte Expertenkommission hatte mit der Exzellenzprämie ein Konzept vorgelegt, das genau so funktionieren würde. Die Minister aus Bund und Ländern votierten jedoch mehrheitlich dagegen. Komplett gespalten ist die Hochschullandschaft bei der Frage, ob künftig neben exzellenter Forschung auch andere Leistungen, etwa in der Lehre oder im Technologietransfer, für einen Erfolg ausschlaggebend sein sollten. Einen "breiteren Exzellenzbegriff" befürworten nur 27 Prozent der in der Initiative erfolgreichen Universitäten, aber 55 Prozent der Universitäten insgesamt und sogar 90 Prozent der befragten Fachhochschulen. Hier könnten die neuen Pläne der Politik beide Seiten zufriedenstellen.