Intelligente Kühlschränke erkennen die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen. ©David Becker/Freier Fotograf/Getty Images

Maschinen, Autos und andere Gegenstände des Alltags vernetzen sich zunehmend. In Zukunft werden sie selbstständig miteinander kommunizieren. Auf diese Weise entsteht das Internet der Dinge, welches den Dingen Intelligenz verleiht. Bald werden wir von einem Smart Car vom Smart Home zum Smart Office gefahren, und dies alles in einer Smart City. Doch auch das ist nur ein Zwischenstadium. Irgendwann wird das Office smart genug sein, um seine Arbeit ohne menschliche Arbeitskräfte zu erledigen. Dann existiert das Büro nur noch virtuell.

Schon seit Längerem ist von dieser Entwicklung die Rede, oft ist von einer vierten industriellen Revolution zu hören. Das Ausmaß dieser Entwicklung wird uns erst langsam bewusst. So wird die Herstellung vieler Produkte und Dienstleistungen in Zukunft weitgehend ohne menschliche Arbeitskraft auskommen. Computer sind dank der Vernetzung selbstständig in der Lage, die Produktion zu organisieren. Das hat nicht nur, wie bisher schon, menschenleere Fabrikhallen zur Folge, es wird auch Berufe wie Taxifahrer, Buchhalter oder Anlageberater überflüssig machen. Ebenso große Teile des Managements.

Drohende Jobverluste stehen daher im Zentrum der aktuellen Diskussion um die vierte industriellen Revolution. So veröffentlichte der Schweizer Tages Anzeiger zu Beginn dieses Jahres einen Artikel unter der Überschrift Uns braucht es bald nur noch als Konsumenten. Doch sogar dieser Gedanke greift zu kurz. In Zukunft werden wir nicht nur als Arbeitnehmer, sondern auch als Konsumenten in großem Stil durch Computer verdrängt, die "besser" wissen, welche Produkte und Dienste unseren Bedürfnissen entsprechen. Dieser Aspekt ist wesentlich für die Revolution, die sich vor unseren Augen vollzieht, doch er wird bisher kaum wahrgenommen. Wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir mit der vierten industriellen Revolution nach und nach unsere persönliche Freiheit – und unsere Privatsphäre.

Betrachten wir einmal die sich abzeichnende Entwicklung zum Smart Home. In Zukunft wird ein intelligenter Kühlschrank selbstständig Lebensmittel bestellen, meinen Bedürfnissen entsprechend. Nach kurzer Zeit hat er aufgrund meines Einkaufsverhaltens gelernt, welche Lebensmittel ich wann und wie oft konsumiere. Also braucht es mich als Konsumenten zunächst nur noch, wenn ich etwas Außergewöhnliches kaufen möchte und zum Beispiel nach einem Jahr des Konsums von Haselnussjoghurt plötzlich auf Früchtejoghurt umschwenke. Aber auch das lernt der intelligente Kühlschrank. Dann weiß er, dass ich von Zeit zu Zeit ein neues Produkt wünsche, und überrascht mich mit entsprechenden Bestellungen. Und selbstverständlich weiß der Kühlschrank auch über Sonderangebote des Einzelhandels Bescheid. So optimiert er meine Lebensmitteleinkäufe auch in finanzieller Hinsicht.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 10.3.2016.

Ganz ähnlich wird es sich beim Energiekonsum verhalten. Das Smart Home wird jederzeit den für mich günstigsten Anbieter von Energie auswählen und die Raumtemperatur optimal meinem Tagesverlauf anpassen. Ein Smart Home lernt schnell, welche Temperatur zu welcher Tages- und Jahreszeit optimal ist, und sorgt dann dafür, dass genau im richtigen Ausmaß geheizt wird. Dank der Vernetzung mit meinem Smartphone weiß das Haus, wann ich auf dem Weg nach Hause bin und erhöht dann entsprechend die Heizleistung, welche während meiner Abwesenheit im Sparmodus betrieben wurde. Falls ich ein ökologisch bewusster Bürger bin, weiß das Smart Home auch dies – dann wählt es für mich nur Angebote mit einem bestimmten Mindestanteil an erneuerbaren Energien aus.