DIE ZEIT: Wachen Sie nach einem körperlich und mental so anstrengenden Spiel wie dem gegen Borussia Dortmund mit Schmerzen auf?

Philipp Lahm: Nein, bis jetzt ist das zum Glück noch nicht passiert. Außer bei einer akuten Verletzung, klar, aber momentan ist alles gut.

ZEIT: Sie haben den Abstand von fünf Punkten zum BVB, dem Tabellenzweiten, dank eines Unentschiedens verteidigen können. Bundestrainer Joachim Löw bezeichnete das Spiel als das beste, das er in dieser Saison gesehen habe, er lobte das "irre Tempo und die überragende Technik". Trotzdem: Ihr Team wirkte zuletzt nicht mehr so dominant, manchmal sogar ein bisschen unkonzentriert. Sie unterlagen in der Liga zu Hause Mainz. In der Champions League gaben Sie im Hinspiel des Achtelfinales eine 2 : 0-Führung her, die Partie endete 2 : 2. Wie stark ist Ihre Mannschaft zurzeit?

Lahm: Das kommt darauf an, woran Sie die Stärke einer Fußballmannschaft messen.

ZEIT: Woran messen Sie diese?

Lahm: Wir sind nach wie vor in der Lage, jedem Gegner unseren Stil aufzudrängen. Unsere Spielweise ist sehr offensiv ausgerichtet. Wir wollen angreifen, Tore erzielen, das geht nur in der gegnerischen Hälfte. Wenn sich das Spiel also nach vorn verlagert, dann ist es anspruchsvoller, die Balance in der Defensive zu halten.

ZEIT: Sie begeben sich durch die offensive Ausrichtung immer in Gefahr, von schnellen Kontern überrannt zu werden.

Lahm: Ja. Das ist herausfordernd und anspruchsvoll, aber deshalb sehr reizvoll. Wenn Sie sich das Hinspiel gegen Turin noch einmal anschauen, können Sie beobachten, von welcher Gefahr ich spreche.

ZEIT: Die ersten 60 Minuten haben Sie das Spiel kontrolliert ...

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 10.3.2016.

Lahm: … dann fand Juve mit ein paar brachialen Aktionen zurück ins Spiel. Davor ist keine Mannschaft gefeit, egal welchen Stil sie spielt. Jedes Spiel lebt von solchen Momenten und davon, dass man seine Chancen nutzt. In Turin hätten wir genug Möglichkeiten gehabt.

ZEIT: Sie hätten entspannter ins Rückspiel am kommenden Mittwoch in München gehen können.

Lahm: Das stimmt.

ZEIT: Reicht die Qualität der Mannschaft, um Turin zu besiegen und ins Viertelfinale einzuziehen?

Lahm: Davon gehe ich aus.

ZEIT: Werden Sie ehrgeiziger, je älter Sie werden?

Lahm: Ja, das werde ich. Das Gute ist, ich kann gleichzeitig besser mit dem Scheitern umgehen.

ZEIT: Entwickeln Sie sich auch im 13. Profijahr bei den Bayern noch weiter?

Lahm: Ja, meine Perspektive ist noch mal eine andere, eine klarere. Ich spüre eine noch stärkere Konzentration.