Manche Unternehmen gehören in ihrem Bereich zu den erfolgreichsten weltweit. Doch wenn sie in Deutschland ein Büro eröffnen, genügen ihnen erst einmal zwei Schreibtische. So war das zum Beispiel in Köln am vergangenen Freitag: ein Erdgeschoss, das nach neuem Teppichboden riecht, die beiden Schreibtische stehen erst seit wenigen Tagen darauf.

Das Unternehmen, um das es hier geht, heißt Maker Studios. Der Unterhaltungskonzern Disney hat es vor zwei Jahren übernommen und mehr als eine halbe Milliarde Dollar dafür gezahlt. Schon das illustriert seine Bedeutung. Maker Studios ist ein Multi-Channel-Netzwerk. Es bringt YouTuber – die hier talents genannt werden – und Markenfirmen zusammen. Stars, Produkte, Geschichten und Werbekonzepte machen den Erfolg vieler Internetfilme aus. Videos, die mithilfe von Maker Studios produziert werden, werden im Monat mehr als zehn Milliarden Mal angeklickt.

Gegründet wurde das Unternehmen 2009 in Los Angeles von acht jungen Amerikanern, die Zentrale befindet sich inzwischen in London. Weil der deutsche Markt in Europa der zweitwichtigste nach Großbritannien ist, entschied Maker Studios im vergangenen Jahr, auch hierherzukommen.

Integration - "Die Medien sagen, ich bin jetzt YouTuber" Er ist witzig, charmant und er trifft einen Nerv: Der Syrer Firas Al Shater erklärt, wie die Deutschen ticken. Und wurde über Nacht zum YouTube-Star.

In Deutschland gibt es bereits mehrere solcher Multi-Channel-Netzwerke. Die großen heißen Mediakraft Networks, TubeOne, Endemol beyond und Studio71. Letzteres gehört zu ProSiebenSat.1 und sitzt in München. Die Büros von Endemol und TubeOne befinden sich in Köln, und auch Mediakraft hat eine Niederlassung hier. Köln sei für das Geschäft rund um YouTube der wichtigste Standort, sagt Geschäftsführer Sebastian Romanus – noch wichtiger als Berlin.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 12 vom 10.3.2016.

Für Aufsehen gesorgt hat Maker Studios im vergangenen Sommer, als YouTuber Simon Unge seine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen verkündete. Unge ist 25 Jahre alt, ein Typ mit Skateboard und Dreadlocks, der Stirnband und Tattoos trägt und eigentlich Simon Wiefels heißt. Unge gehört zu den erfolgreichsten YouTubern in Deutschland. Rund 1,5 Millionen Menschen haben seinen Kanal unge abonniert. Seinem anderen Kanal ungespielt folgen sogar fast zwei Millionen Menschen. Bevor er den Vertrag mit Maker Studios unterschrieb, war Unge bei Mediakraft Networks und TubeOne.

Multi-Channel-Netzwerke sind die Fußballvereine des Internets, YouTuber wie Simon Unge sind top talents, um die geworben wird. Mediakraft Networks hatte lange Zeit alle großen YouTuber unter Vertrag, in letzter Zeit verlor das Unternehmen viele von ihnen, unter anderem Joyce Ilg, LeFloid und Dner. Sie sind jetzt bei Studio71 und TubeOne. In Deutschland hat Maker Studios rund 800 Kanäle unter Vertrag, Simon Unge ist der erste größere YouTube-Partner. "Er ist ein guter Partner für uns, weil er aus der Masse raussticht", sagt Geschäftsführer Romanus. Unge habe viele gute Ideen, die sie gemeinsam umsetzten.