Nicht bloß die Missionarsstellung: Die Plattform Zanzu bietet Sexualkunde in Wort und Bild. © BZgA/Sensoa

Wie reagiert die Politik "nach Köln" auf möglicherweise unterschiedliche Vorstellungen vom Zweck körperlicher Begegnungen? Eine vom Bundesministerium für Gesundheit betriebene Internetseite appelliert an das Gute im Menschen. Das Aufklärungsportal "Zanzu – Mein Körper in Wort und Bild" richtet sich an Migranten. "Vor allem zu uns geflüchtete Menschen", heißt es in einer amtlichen Mitteilung, "die noch nicht lange in Deutschland leben, erhalten hier einen diskreten und direkten Zugang zu Wissen in diesem Bereich." – "Geschlechtsverkehr" empfehle sich, wenn "Sie Kinder haben möchten (nur durch Eindringen in die Scheide)", "sexuelles Vergnügen empfinden", "Liebe und andere Gefühle ausdrücken möchten", "Intimität erleben" oder ganz einfach "entspannen möchten". Und das in variierenden Positionen: "Sie können Sex im Liegen, Sitzen, Stehen oder hockend haben. Zum Beispiel kann sich der Mann auf der Frau befinden, die Frau auf dem Mann oder der Mann hinter der Frau."

So geht's auch. © BZgA/Sensoa

Falls solches Grundwissen den Flüchtlingen von jeher unbekannt oder aber auf ihrer langen Flucht abhandengekommen sein sollte, werden sie in dreizehn Sprachen (darunter Arabisch, Türkisch, Farsi) und durch Bilder darüber unterrichtet. Gegen jeden Rassismus-Verdacht: Man sieht einen dunkelhäutigen Mann, wie er in einer ins Postkolonialistische gewendeten Missionarsstellung eine hellhäutige Frau beglückt. Flüchtlinge, die weder des Lesens mächtig, noch zum Verstehen der Bilder in der Lage sind, können sich die Erläuterungen durch Anklicken eines Lautsprechersymbols vorlesen lassen.

Zanzu stimuliert den Möglichkeitssinn. Das wechselseitige Einvernehmen der Beteiligten stets streng voraussetzend, verheißt die Internetseite vielfältige Freuden. Sie benennt erogene Zonen (Penis, Hoden, Po, Anus, aber auch Hände, Finger, Zehen und Fußsohlen) und Praktiken, darunter Oral- und Analverkehr. Gleichzeitige sexuelle Beziehungen zu mehreren Partnern werden ebenso verhandelt wie Homosexualität und die Triebabfuhr durch Selbstbefriedigung.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 13 vom 17. März 2016.

Der emanzipatorische Gestus stammt aus der Sexualpädagogik der 68er. Migrationspolitisch signalisiert er eine Unschuldsvermutung, die allen und ganz gleich mit welchen Papieren hier versammelten Menschen zugebilligt wird. Integration ist ein sanftmütiges Unterfangen. Nur am Rande dräut Ärger durch Überschreitungen, die den Flüchtlingen dann doch zugetraut werden. Eigene Abteilung: Genitalverstümmelung, die "ist in Deutschland gesetzlich verboten". Sie ist hierzulande auch deshalb ein Skandal, weil sie die Lust an der Lust tötet.