Als Rolf Habben Jansen vor einem Jahr am Ballindamm einen der größten Verluste in der Geschichte Hapag-Lloyds verkündete, war seine Welt auf seltsame Weise in Ordnung. Der Reedereichef sprach von einem sehr enttäuschenden Ergebnis. Es gab nichts schönzureden, Habben Jansen hätte das auch gar nicht gewollt. Schließlich hatte er seinen Vorstandsposten angetreten, um das Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen und an die Börse zu führen. Da schadete es nicht, wenn es zu Beginn möglichst schlecht dastand.

Am vergangenen Mittwoch stellte Habben Jansen daher nicht nur die Bilanz Hapag-Lloyds vor, sondern auch seine eigene. So viel vorweg: Der Neue hat geliefert. Und doch ist sein Plan nicht aufgegangen. Egal, wie viel er macht – es ist zu wenig. Das ist nicht nur für Hapag-Lloyd fatal. Es offenbart, wie machtlos Hamburg inzwischen ausgerechnet jener Branche ausgeliefert ist, die nicht nur die Wirtschaft, sondern vor allem die Identität der Stadt prägt wie keine andere.

Habben Jansens Plan ging so: Hapag-Lloyd würde durch die Fusion mit der chilenischen Reederei CSAV größer und effizienter werden, die Synergieeffekte würden jährlich dreistellige Millionenbeträge bringen. Ein bisschen Sparen ginge auch noch. Sobald die Ergebnisse wieder stimmten, sollte das Unternehmen an die Börse gehen, um von dem Geld neue Schiffe und Container zu kaufen. Schließlich schickten andere Großreedereien längst modernste Megafrachter um die Welt.

Die Geschichte klang gut. Habben Jansen nahm man die Rolle als Erneuerer ab. Der Niederländer hatte viele Jahre für globale Logistikkonzerne gearbeitet, mit Schiffen nie viel zu tun gehabt. Er sollte den Blick von außen bringen, Hapag-Lloyd internationaler und transparenter machen, ohne falsche Rücksicht auf hanseatische Befindlichkeiten.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 14 vom 23.3.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Der Reedereichef hat nun, ein knappes halbes Jahr nach dem Börsengang vergangenen November, einiges vorzuweisen: Hapag-Lloyd schrieb 2015 vor Zinsen und Steuern 366 Millionen Euro Gewinn, die Margen stiegen. Unterm Strich blieb ein Jahresüberschuss von 114 Millionen Euro. Wenige Reedereien dürften sich zuletzt so achtbar geschlagen haben. Nur: In Ordnung ist trotzdem nichts.

Nirgends wird das deutlicher als an der Kurve, die die Aktie in ihren ersten Monaten an der Börse gezeichnet hat. Die geht vor allem in eine Richtung: nach unten.

Das erscheint merkwürdig – schließlich hat Habben Jansen vieles richtig gemacht. Für 2016 will er sogar eine Dividende zahlen. Was heißt, dass er mit Gewinnen rechnet. All das sollte Anleger freuen, den Kurs nach oben treiben. Doch das Gegenteil passiert.

Schwächeln Wirtschaft und Handel, zeigt sich das am unmittelbarsten in der Schifffahrt. Es gibt schlicht weniger zu transportieren, und die Preise, die Reedereien verlangen können, fallen. Deshalb kaufen sie immer größere Schiffe, damit die Fixkosten sinken. Theoretisch ist das richtig, praktisch muss man die Riesenfrachter aber erst mal vollkriegen. Das gelingt derzeit kaum einem. Manche Fahrten holen nicht einmal die Kosten wieder rein. Und: Diese Bedingungen werden sich auch 2016 nicht ändern.