Plötzlich waren sie da, etwa 35 Menschen, sie trugen schwarze Kapuzen und weiße Masken, hielten Fackeln in den Händen, so zogen sie durch Hamburg-Eißendorf. Es war im Dezember 2011, und der Auftritt erinnerte an die Märsche der NS-"Sturmabteilungen". Organisiert hatten den Nazi-Marsch Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppe Weisse Wölfe Terrorcrew (WWT).

In der vergangenen Woche hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) diese Organisation bundesweit verboten. Noch am selben Tag wurden 15 Wohnungen in Hamburg und neun weiteren Bundesländern durchsucht; es wurden rechtes Propagandamaterial und Waffen sichergestellt, darunter Wurfsterne und Kleinkaliberwaffen. Es habe Hinweise gegeben, dass WWT-Mitglieder Anschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte vorbereitet hätten. Die Gruppe bekenne sich offen zu den Werten des Nationalsozialismus und wolle "eine Diktatur nach diesem Vorbild errichten", sagte de Maizière.

Vor allem die Hamburger Innenbehörde hatte mit ihren Erkenntnissen zur WWT das Verbotsverfahren vorangetrieben. Innensenator Andy Grote (SPD) sprach von einem "erfolgreichen und wirkungsvollen Schlag gegen verfassungsfeindliche Gewalttäter".

Das klingt erfreulich. Aber ist es auch effektiv?

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 14 vom 23.3.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Wenn eine Gruppe verboten wird, verschwinden damit ja nicht ihre Mitglieder. Kann man rechtsextremer Gesinnung mit Verboten entgegenwirken? Oder werden Mitglieder und Sympathisanten der Gruppe sich künftig einfach anders organisieren?

So ein Verbot tue diesen Leuten durchaus weh, sagt Marco Haase vom Hamburger Verfassungsschutz. "Denn damit werden die Strukturen zerschlagen, das Vermögen wird eingezogen – und diese Leute werden Schwierigkeiten haben, sich neu aufzubauen." Das Verbot der Gruppe gilt schließlich deutschlandweit und erstreckt sich auch auf mögliche Nachfolgeorganisationen. Anders als bei Teilverboten einzelner lokaler Ableger oder Sektionen, bei denen Angehörige auch weiterhin die Strukturen der übrigen Mitglieder nutzen können, ist dies bei einem Gesamtverbot nicht mehr möglich.

Die Weisse Wölfe Terrorcrew wurde im Jahr 2008 in Hamburg gegründet, als Fangruppe der rechtsextremistischen Skinhead-Band Weisse Wölfe aus Nordrhein-Westfalen. Bis 2010 entwickelte sich die Gruppe von "einem erlebnisorientierten Skinhead-Zusammenschluss zu einer gewaltbereiten Aktionsgruppe mit politischem Anspruch", heißt es im aktuellen Hamburger Verfassungsschutzbericht.

An der Spitze der Neonazi-Gruppe stand ein 31-jähriger Hamburger, der im Jahr 2009 wegen Widerstands gegen Polizeibeamte und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von 14 Monaten verurteilt wurde. Nach seiner Entlassung soll sich die Gruppe unter ihm weiter radikalisiert haben. 2013 soll mindestens ein WWT-Mitglied an der Bildung eines sogenannten Werwolf-Kommandos beteiligt gewesen sein. Dessen Ziel: das politische System der Bundesrepublik zu beseitigen.