Wie ein Hamburger Reisebüro auf die Digitalisierung reagiert

Wenn man Maryam Komeyli fragt, ob Reisebüros bald überflüssig werden, antwortet sie mit einer Geschichte. Von jener Frau, die neulich hier, vor dem grellpinken Schalter, stand und über den online gebuchten Urlaub schimpfte. Auf der Website seien weißer Sandstrand und blaues Wasser versprochen worden, klagte die Frau, aber nicht die Regenzeit, in die sie geraten sei. Maryam Komeyli hörte sich die Tirade bis zum Ende an. Dann sagte sie: "Gehen Sie nach Hause, und erzählen Sie all das, was Sie mir gerade gesagt haben, noch mal Ihrem Modem. Schreien Sie es an, machen Sie es zur Sau! Aber nicht mich." Die Frau verstummte. Die Botschaft war angekommen.

Im Internet könne man alles kaufen, sagt Komeyli. "Sogar Reisen nach Syrien." Eine vernünftige Beratung aber, die gebe es nur bei ihr, in diesem pinken Reisebüro auf der Hamburger Reeperbahn. Und damit auch jeder den Unterschied zum Internet begreift, hat schon die Buchung selbst Event-Charakter. Zunächst geht es für die Kunden zu Vespucci, dem Reeperbahn-Italiener gegenüber dem Pornokino, dann kommen sie ins Reisebüro zur persönlichen Beratung. Zum Abschluss trinkt man einen Prosecco an der büroeigenen Bar, bei Duftkerzenaroma, Zimmerpalmen und angenehm wummernder Loungemusik.

Durch Konzepte wie dieses erleben Reisebüros gerade eine ungeahnte Renaissance: "Dieses Jahr ist die Zahl um 65 auf nunmehr fast 9.900 Büros gestiegen", sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Norbert Fiebig. Von den rund 28 Millionen Pauschalreisen, die die Deutschen im Jahr unternehmen, wurden im Jahr 2015 etwa 85 Prozent im Reisebüro gebucht.

Maryam Komeyli plant schon die nächste Filiale. Im noblen Hamburger Stadtteil Eppendorf. Von der Reeperbahn aus betrachtet, ist das fast eine Weltreise.

Rob Bertram schreibt

Ein Algorithmus berichtet über Fußballspiele. Fällt das auf?

Den "Abstiegskrimi" vom Samstag beschreibt Rob Bertram, Autor der Amateursport-Website Sportbuzzer des Weser-Kuriers. Wer es nicht weiß, wird es nicht erfahren: Bertram ist kein Mensch, er ist ein Programm, eine Art Journalismus-Automat, in Betrieb genommen, um die Reichweite der Beiträge zu erhöhen. Vorher hatte der Sportbuzzer lediglich Ergebnistabellen der Amateurligen zusammengestellt. Jetzt gibt es ganze Artikel zu lesen. Und wenn Rob sie schreibt, so hofft Niko Mehl, Geschäftsführer der Weser-Kurier Digital GmbH, könnte eine höhere Platzierung bei den Suchmaschinen erzielt werden. Mehl geht davon aus, dass durchgeschriebene Texte in der Google-Suche weiter vorne erscheinen und häufiger angeklickt werden als bloße Tabellen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 15 vom 31.3.2016.

Bevor Rob Bertram losschreibt, wird der Computer mit Informationen gefüttert: Wie viele Tore sind gefallen? Wie heißen die entscheidenden Spieler? Wer ist der Trainer? "Ein normaler Nutzer kann kaum unterscheiden, ob der Text von einem Menschen oder von einer Maschine stammt", sagt Mehl. Der Text-Generator wählt aus einem Korpus von Hunderten Formulierungen und Fußballfloskeln. Robs Report bleibt dennoch holprig: "Der SV Werder Bremen IV kam am Sonntag zu einem 3:2-Erfolg gegen den ATS Buntentor. (...) Fabian Koch war es, der in der 16. Minute den Ball im Tor von Buntentor unterbrachte." Um anspruchsvollen Journalismus ging es auf der Amateursport-Seite aber ohnehin nie. Und einen Arbeitsplatzgefährder sieht Mehl in der Software auch nicht. Rob Bertram sei ein Hilfsarbeiter, "ein Tool, das perspektivisch Redakteuren zuarbeiten kann, damit sie sich auf anspruchsvolle Texte konzentrieren können". Kollege Rob jedenfalls tut, was er kann.