Es gibt Bücher, mit denen ist man absolut einer Meinung, und trotzdem kann man sie nicht ins Herz schließen. Manchmal will man ein Buch einfach mögen, aber die Begeisterung bleibt dennoch aus.

Der aus Pakistan stammende Mohsin Hamid bringt eigentlich alles mit, um eine wichtige literarische Stimme zu sein. Als einer, der in Lahore, New York und London lebte und überall eine Heimat fand, verkörpert er perfekt den kosmopolitischen Intellektuellen. Ein liberaler Muslim, der für religiöse Vielfalt, Demokratie und gegen den Nationalismus schreibt. Ja, Mohsin ist, wie man früher gesagt hätte, auf der Höhe der Geschichte, und so verspricht auch der Klappentext seines neuen Buches Es war einmal in einem anderen Leben hochaktuelle Essays. Leider aber ist die Textsammlung schrecklich unoriginell. Sie umfasst einige gut informierte Analysen zur Politik in Pakistan, ein paar passable Überlegungen zur Literatur und eine Handvoll biografischer Erzählungen, die erstaunlich blass daherkommen. Kurz und knapp will Mohsin erzählen, aber leider tut er das an den falschen Stellen. Fünf Zeilen schreibt er über die zwei Jahre zwischen Begegnung und Hochzeit mit seiner Frau, dafür aber acht Zeilen zur Qualität seines "Flatrate-Tarifs zu 1999 Rupien". Als politischer Denker ist er so sympathisch wie langweilig. Dass Menschen sich nicht "in die fein säuberlich voneinander getrennten ethnischen, geschlechtlichen oder nationalen Schubladen einordnen" lassen, hört man schon von Studenten im Anthropologie-Seminar. Natürlich verdient die krude Idee der kulturellen Reinheit und die Willkür nationaler Grenzziehungen Kritik. Wo aber bleiben die scharfsinnigen Umkehrungen, die harten Thesen, die augenöffnenden Formulierungen? Unsere Zeit braucht kosmopolitisches Denken, aber sie braucht eben auch eigenwillige, manchmal störrische Köpfe, die es hervorbringen.

Mohsin Hamid: Es war einmal in einem anderen Leben. Eine Heimat zwischen Orient und Okzident. DuMont, Köln 2015; 224 S., 19,99 €, als E-Book 15,99 €